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Kurztrip nach Dublin

Bímid ag dul go Baile Átha Cliath

Oder auf Deutsch “Auf geht’s nach Dublin”! Im Prinzip entstand die Idee zu diesem Trip wie so oft aus einer Schnapsidee heraus. Von der Lufthansa gab es ein Angebot, bei dem es den Flugpreis mal Faktor 25 in Form von Meilen als Gutschrift gab. Als Meilenfuchs war für mich klar: ab in den Flieger.

Nach mehreren Tagen Recherche wo ich denn unbedingt hin will, bzw. welches Angebot auch vom Zeitraum attraktiv sein könnte, standen noch 3 Ziele zur Auswahl: Madeira, Zypern und Dublin. Aus dem Bauch heraus entschied ich mich dann für Dublin, da es den Flug in der Business Class so gesehen für einen Apfel und ein Ei gab, verglichen zum normalen Economy Ticket.

 

Hotel hatte ich relativ zentral auch noch eines für einen akzeptablen Preis bekommen, es konnte also losgehen. Am Abend vor der Abreise suchte ich meine Unterlagen zusammen und stellte dabei fest, dass ich gar keinen Hotelnamen auf dem Voucher stehen hatte, lediglich der Straßenname war dort vermerkt. Kein Problem, schnell beim Buchungsportal angerufen und dann kam erst einmal der ernüchterne Teil: “Vielen Dank, ja wir sehen die Buchung aber da steht bei uns auch kein Hotelname. Ich hole mal meinen Supervisor” - 5 Minuten Warteschleife – “Hallo? Ja also wir haben da so eine Vermutung welches Hotel es sein könnte, denn da gibt es nur 4 in der Straße.” Ich: “ja wie sicher sind Sie denn?” Mitarbeiterin: “ja also bei 4 Hotel sind wir uns zu 25% sicher. Aber sie könnten mal auch noch bei unserem Reiseveranstalter anrufen, die Nummer ist 001 XXXXXX.” Ich: ”Äh das ist Amerika, warum rufen Sie da nicht an, ich hab ja über Ihre Webseite gebucht?” Antwort: “Ja das tut mir leid, dass dürfen wir nicht”. Gut, ich also auf der Nummer in Amerika angerufen. Die nette Dame dort am Telefon: “I can see your booking in our system. To confirm that you are the person who has booked, can you please tell me the name of your hotel?” – ARGHHHHHHHHH – Am Ende klärte sich dann jedoch alles auf.

 

Ende November ist vielleicht nicht unbedingt die beste Reisezeit, aber dafür ging ich davon aus, dass es zumindest nicht so touristisch überlaufen sein dürfte. Von Stuttgart ging es über Frankfurt nach Dublin. So zumindest der Plan. In Frankfurt ging es noch in den Flieger und dann ging erst mal gar nichts mehr. In Dublin war das Radar am Flughafen komplett ausgefallen und wir durften nicht starten. Nach etwas über einer Stunde dann Entwarnung, alles ging wieder, wir bekamen schnell einen Start-Slot zugeteilt und ab ging es auf die grüne Insel. Vom Grün sah man leider beim Anflug ziemlich wenig. Ein dicke Wolkenschicht bedeckte den Himmel. Kaum aus dem Flieger, kaufte ich mir schnell ein Ticket für den Shuttlebus, der wenige Meter von meinem Hotel entfernt einen Haltepunkt hatte.

 

Schnell die Sachen ins Zimmer und schon ging es los um Dublin zu erkunden. Vorbei am Garden of Remembarence, entlang der Upper O’Connell Street, direkt zum Trinity College. Dort führte mich mein erster Gang natürlich in die weltberühmte Bibliothek, in der auch das Book of Kells ausgestellt ist. In knapp 30 Minuten war ich mit meinem Programm durch und hatte ehrlich gesagt keinen Plan, was ich noch spontan machen sollte. Da hörte ich plötzlich Lärm, der sehr nach einer Sportveranstaltung klang. Hinter der Bibliothek liegt mehr oder weniger direkt das Rugbyfeld der Universität, wo in diesem Moment das Trinity College gegen die Manschaft aus Shannon spielte. Auch wenn ich die Regel nur grob kenne, begeisterte mich das Event und einige nette Zuschauer erklärten mir zuerst die Regel und danach wie man den Rivalen aus Shannon auf Irisch beleidigt. Der Rückweg zum Hotel führte mich kurz noch durch Temple Bar, ein in meinen Augen sehr touristisches Viertel, wo man in diversen Pubs zu Live-Musik ein überteuertes Bier trinken kann. Den Abend verbrachte ich leider erkältungsbedingt im Bett.

 

Der nächste Tag sollte laut Wettervorhersage eher durchwachsen werden, daher entschied ich mich für eine City Sightseeing Dublin Hop on Hop off  Tour. (Ich empfehle hier übrigens das günstige 48h Ticket, welches gerade mal 3,20 € mehr kostet als das 24h Ticket). Mit der roten Linie ging es vorbei an zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Nachdem ich einmal die komplette Runde absolviert hatte, entschied ich mich, weiter zu fahren und auf halber Strecke auszusteigen, um die Stadt noch ein wenig zu Fuß zu erkunden. Ausgehend von der St. Patrick’s Cathedral ging es vorbei an Dublinia und der Christ Church Cathedral zum Stadtschloß von Dublin. Dort bog ich dann in Richtung St. Stephen’s Green Park ab, wo ich eine kurze Pause einlegte, um bei der Einweihung einer Statue zuzusehen. Mein letzter Weg des Tages führte mich zum Merrion Square, wo auf einem Felsen die Statue von Oscar Wilde liegt. Am Ende hatte ich dann deutlich über 10 km zu Fuß zurückgelegt.

Der nächste Morgen begann dann mit einer echten Herausforderung. Ich fuhr zur Besichtigung der Guiness Brauerei (Storehaus). Das Bier, welches in Dublin seine Heimat hat, genießt hier Kultstatus. Das Storehaus ist ein riesiges Museeum, welches nicht nur für Biertrinker interessant ist. Hier verbrachte ich gute 2h. Aber kommen wir wieder auf das Thema Herausforderung zurück: wisst ihr eigentlich wie schwer es einem mit zunehmendem Lebensalter fällt, schon morgens um kurz vor 11 ein Pint zu trinken? Dieses bekommt man nämlich am Ende der Besichtigung in der Rooftop Bar. Mit leicht Schlagseite (nein, so schlimm war es auch nicht) ging es dann zu Fuß in Richtung Dublin Castle. Da ich in diesem Jahr schon auf Windsor, Drottningholm und im Schloß von Stockholm gewesen war, haute mich das Stadtschloß von Dublin nicht aus den Socken. Ich würde es aber bei einem Besuch von Dublin trotzdem besichtigen, wenn man Zeit dafür findet.

 

Neuer Tag, neue Energie – denn so langsam wurde mein Schnupfen endlich besser. Lag wohl an dem Pint Guiness vom Vortag. Für den Tag hatte ich einen Gefängnisbesuch eingeplant. Das Kilmainham Gaol ist ein Gefängnis, welches 1796 erbaut wurde und eine große Rolle in der Unabhängigkeitsgeschichte von Irland spielt. Hier wurden zahlreiche Anführer des Osteraufstands von 1916 hingerichtet. Tickets für die Besichtigung sollte man idealerweise schon mehrere Tage im Voraus buchen. Selbst in der Nebensaison gibt es so gut wie nie Tagestickets an der Kasse.

 

Meinen letzten Tag in Dublin verbrachte ich im Dublin Zoo. Da es an dem Tag windete und auch immer wieder kurze Schauer vom Himmel kamen, war der Zoo an diesem Tag menschenleer. Ich kam mir zeitweise wie in dem Computerspiel STALKER: Shadow wo Chernobyl vor, bei dem man durch eine menschenleer Stadt läuft. Teilweise schlenderte ich fast 20 Minuten durch die Gehege ohne nur einen einzigen Menschen zu sehen. Und wenn, dann war es meist nur ein Angestellter, wobei auch die eher im Trockenen blieben. Eine surreale Erfahrung, aber absolut genial. Der Zoo ist übrigens wirklich schön gepflegt und für die Tiere gibt es große Auslaufflächen.

 

Dann war mein Kurztrip leider schon wieder vorbei. Würde ich wieder kommen? Definitiv, Dublin ist eine sehr angenehme Stadt, mit hohem Wohlfühlfaktor. Kann auch sein, dass es was damit zu tun hatte, dass es an jeder Ecke nach Gras gestunken hat. Aber irgendwoher muss die Bezeichnung “Grüne Insel” ja kommen. Das nächste Mal würde ich allerdings nur 2-3 Tage in der Stadt selbst verbringen und mehr Ausflüge aufs Land zu unternehmen. Dafür war dieses Mal allerdings das Wetter nicht ganz passend.