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The Sky is the limit - Tour zum Himmeltinden

Eine meiner schönsten Touren führte mich zuletzt auf den Himmeltinden.  Der Himmeltinden  ist mit 931m (bzw.  961m) der höchste Berg der Insel Vestvågøya auf den Lofoten. Die Wanderung selbst würde ich als technisch mittelschwer bis leicht beschreiben, je nachdem in welchem Zustand sich der Boden gerade befindet, aber dazu später mehr.

 

Unabhängig ob ihr von Napp oder Leknes kommt, der Ausgangspunkt für diese Tour ist der Hauklandstrand nahe Utakleiv. Auf der E10 kommt ihr irgendwann in eine relativ langgezogene Kurve, wo der Weg abzweigt. Idealerweise benutzt ihr das Navi, denn nicht überall steht ein Schild. Von dort aus sind es dann noch ca. 10 Minuten bis zum Strand.

  

Direkt am Hauklandstrand gibt es einen großen Parkplatz. Von dort aus müsst ihr die Straße überqueren und dem Wirtschaftsweg folgen. Nach einigen Metern kommt ein Gatter, welches die zahlreichen Schafe davon abhält auf die Straße zu laufen. Dieses kann man relativ leicht öffnen und idealerweise auch wieder schließen. Vom Gatter aus geht es noch ca. 500 m den Weg entlang, bevor man linker Hand einen kleinen Weg oder besser Trampelpfad am Hang erkennen kann. Vor über 70 Jahren war dies der alte Karrenweg zwischen Haukland und Utakleiv, wobei der eigentliche Weg mittlerweile von einem Hangrutsch überdeckt wird.

Ab hier begann für uns der (erste) anstrengende Teil. Der Pfad schlängelte sich steil und in Serpentinen den Hang entlang. Hin und wieder mussten wir das ein oder andere Rinnsal überqueren. Auf halber Höhe gibt es einen Hangrutsch, bei dem man einige Felsen überwinden muss. Ich hatte gottseidank an Stöcke gedacht, was doch eine echte Hilfe bei Balancieren war. Nach ca. 100 Höhenmetern, vielleicht auch etwas mehr, kamen wir dann auf ein Plateau. Hier war der Weg breiter und es bot sich nochmals die Chance wieder zu Puste zu kommen. Hier hatte das Schmelzwasser einen kleinen Tümpel gebildet, welcher umrahmt von einigen Felsbrocken eine tolle Kulisse bildet. Nach ca. 5 Minuten flacher Strecke kamen wir an einen Wegweiser, welcher die Richtung zum Gipfel des Himmeltinden anzeigt. Ab hier begann nun der richtig anstrengende Teil der Tour. Schmelzwasser und Regen hatten den Boden ziemlich aufgeweicht. Was schon bei trockenem Boden eine kleine Herausforderung ist, wurde unter diesen Bedingungen noch herausfordernder. Wir merkten selbst, hier war höchste Konzentration und Trittsicherheit gefragt. Ganz oben konnten wir schon den Gipfel sehen oder besser, wir sahen etwas, das wir für den Gipfel hielten. Ab der Abzweigung ging es eigentlich nur noch steil bergauf. Keine Querung oder mal ein flaches Stück was zum Ausruhen einlädt. Nach ca. 200-300 Höhenmetern hat man einen schönen Blick auf den Strand von Utakleiv. Bei ca. 400 Höhenmetern begann auch langsam ein leichtes Brennen der Waden und der Oberschenkel, welches im Lauf der Tour noch zunehmen sollte.

 

Irgendwann kamen wir dann an einen Punkt (ich würde so sagen bei 650 – 700 Höhenmetern), wo nicht mehr ganz klar war ob der Weg links oder rechts über die Felsen führt. Intuitiv entschieden wir uns dem rechten Weg zu folgen. Hier folgte nach ein paar Metern eine Kletterstelle, bei der man einen ca. 1,5 – 2 m hohen Felsen überwinden muss. Als wir oben standen, sahen wir auch wieder eine Art Weg, was bestätigte, dass wir richtig abgebogen waren. Jetzt waren es nur noch wenige Meter zum Gipfel. Oder besser gesagt, einer Kuppe die man für den Gipfel halten kann. 

Der eigentliche Gipfel lag jedoch nochmal ca. 100 – 150 m weiter oben. Mit dem Blick nach Utakleiv bot sich uns ein grandioses Schauspiel. Eine Wolkendecke überzog so langsam den Weg den wir gerade gekommen waren und schob sich zwischen uns und der Meereshöhe. Irgendwann war da nur noch ein Wolkenmeer. Nach diesem kurzen Moment der Erholung, machten wir uns auf den letzten Teil des Weges. Es ging von der Kuppe erst wieder einige Meter nach unten. Danach folgte wieder ein steiler Part, der über einige große Felsen und Steinformationen führte. Hier oben lag zudem noch Schnee. An einigen Stellen sogar relativ viel Schnee, was sich mir erst offenbarte als ich auf einmal bis zur Hüfte eingesunken war. Etwa 20-30 Minuten später erklommen wir dann die letzten Meter zum Gipfel. Auch hier sollte man konzentriert, trittsicher und schwindelfrei sein, denn es geht dort einige hundert Meter steil nach unten.

Die Wolkendecke war mittlerweile geschlossen und vor uns lag ein Wolkenmeer aus dem vereinzelt einige Nachbargipfel hervorschauten. Ich hatte selten einen so atemberaubenden Anblick. Das war Natur pur. Nur wir, der Berg und die Wolken. All die Strapazen waren in dem Moment vergessen.

Wir verweilten noch ca. 20 Minuten und machten uns dann auf den Rückweg. Auch hier sollte man noch genug Reserven haben, denn was für den Weg nach oben gilt, gilt auch für den nach unten.

 

Wieder am Hauklandstrand angekommen riss ich mir erstmal die Klamotten vom Leib und stürmte in das 2 Grad kalte Wasser. Was ein Wikinger kann, kann ein Schwabe schon lange. Es war zwar sakrisch kalt, jedoch eine absolute Erfrischung. Hoch und wieder runter haben wir inkl. Aufenthalt ca. 4,5 Stunden gebraucht, wobei wir schon ziemlich zügig gegangen sind. Am Abend gab es dann wieder die zu erwartenden Krämpfe, aber auch die habe ich für diese tolle Tour gerne in Kauf genommen.