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5000 km durch Norwegen (Teil 2)

Nun kam einer der längsten Streckenabschnitte unserer Reise. Es ging in Richtung Mo i Rana, einer kleinen Industriestadt. Auf unserem Weg machten wir ungeplant am Huldefossen einen kurzen Halt. Dies erwies sich als absolut gute Entscheidung, da der Wasserfall einerseits sehr imposant, andererseits auch menschenleer war. Mo i Rana selbst war entgegen aller Erwartungen ein nettes kleines Städtchen, in dem ich auch 1-2 Tage länger Rast gemacht hätte.

 

Am nächsten Morgen stand ein kurzer Abstecher zum Svartisen Gletscher auf dem Plan. Am letzten befahrbaren Punkt des Weges angekommen mussten wir jedoch feststellen, dass von der Gletscherzunge nicht mehr viel zu sehen ist, um genau zu sein gar nichts mehr. Lediglich mit einem kleinen Boot konnte man sich direkt hinfahren lassen, um eine Wanderung zu restlichen Gletscher zu starten. Wir wollten jedoch aufgrund eines Gut-Wetterfensters weiter zum Polarkreis. Dort angekommen machten wir einige Bilder (in T-Shirt und Shorts) und ließen auch noch unsere mitgebrachte Drohne starten. Die Landschaft rund um das Polarkreiscenter fand ich überragend. Hier lohnt es sich immer mal wieder auf einen Parkplatz zu fahren und paar Meter zu laufen. Das Ziel des Tages war Bodo, von wo aus wir am nächsten Morgen um 7 Uhr mit der Fähre auf die Lofoten wollten.

Mitten in der Nacht (es war eigentlich taghell) ging es dann ab nach Moskenes. Nach etwas über 3 Stunden erreichten wir den westlichsten Zipfel der Lofoten. Wir starteten zuerst Richtung „A“, um das obligatorische Bild am Ortsschild zu machen. Die Lofoten sind ein wirklich tolles Fleckchen Erde, auch wenn man schon merkt, dass hier die Menge der Touristen die Infrastruktur teilweise etwas überfordert. Für den restlichen Tag hatten wir uns noch eine „kurze Tour“ auf den Himmeltindan, den höchsten Berg von Vestvågøya vorgenommen. Am Ende waren es 22 km und jeweils 931 m rauf und wieder runter, die wir in den Knochen hatten.  Die Krämpfe abends gab es noch kostenlos dazu. War eine wahnsinnig tolle Erfahrung, auch wenn der Weg (der eigentlich immer nur bergauf geht) schon ziemlich knackig war. Das lag unter anderem auch daran, dass er an diesem Tag sehr schlammig und im oberen Teil auch noch vereinzelt von Schneefeldern blockiert war (ich bin erstmal bis zur Hüfte eingesunken). Die Aussicht oben war alle Strapazen wert. Gehörte zu den Top-Momenten meines Lebens, auch wenn mein Körper das in dem Moment anders gesehen hat. Wieder unten angekommen stürzte ich mich dann bei 8 Grad Luft- und 2 Grad Wassertemperatur am Haukelistrand in das türkisblaue Wasser. Was ein Wikinger kann, kann ein Schwabe schon lange.

 

Den Abend verbrachten wir ziemlich platt in Kabelvag. Von dort aus ging es früh morgens schon wieder weiter in Richtung Andenes. Dort hatten wir für den Nachmittag eine Walsafari gebucht. Mit einem ehemaligen Fischerboot ging es nach einer ca. 1 stündigen Infoveranstaltung im Walmuseum hinaus aufs offene Meer. Auf dem Weg begegnete uns schon der erste Minkwal. Nach ca. 1,25 h erreichten wir ein Gebiet in dem der Kapitän Pottwale geortet hatte. Dann ging das Warten los und alle Blicke starten gebannt auf die Umgebung. Freundlicherweise tauchte der Pottwal dann 50 m neben dem Boot auf. Dies gab für die wenigen Leute die an diesem Tag mit uns draussen waren natürlich tolle Fotos und Videos. Insgesamt tauchten noch 2 weitere Pottwale in diesem Gebiet auf. Trotz dieser tollen Erfahrung reichte es uns dann nach knapp 45 Minuten, denn Regen und 3-5 Grad Lufttemperatur durchdringen irgendwann auch die beste Kleidung. Da halfen auch Suppe und Tee ab einem bestimmten Punkt nicht mehr. Nach 3,5 Stunden kamen wir völlig durchnässt und tiefgekühlt wieder im Hafen an.

 

Auf dem Weg von Andenes nach Narvik lief uns dann auch endlich unser erster Elch über den Weg.  Narvik selbst fand ich jetzt wenig spektakulär, kann aber auch daran gelegen haben, dass ich mittlerweile etwas müde war von dem vielen Tageslicht. Jetzt ging es langsam wieder Richtung Süden, zurück über den Polarkreis und Mo i Rana und weiter in Richtung Hell. In Osterdalen sahen wir dann noch den größten Elch Norwegens. Die 10 m hohe und silbrig glänzende Statue am Straßenrand war auch kaum zu übersehen.

Einen der für mich schönsten Streckenabschnitte hatten wir zwischen Storen und Alen auf dem Weg nach Roros. Hier fuhren wir über eine Art bewaldete Hochebene, auf der wir insgesamt mehr Tiere sahen, als auf der ganzen Reise zuvor. Allein hier hatten wir 5 Elche, ein paar Hirsche und zahlreiche andere Vertreter der Tierwelt. Roros selbst war ebenfalls ein Highlight. Die alte Bergarbeiterstadt ist nicht umsonst Weltkulturerbe. Hier lohnt es sich definitiv ein bis zwei  Stunden einzuplanen.

 

Nach etwas über zwei Wochen in Norwegen kann ich für mich folgendes Fazit ziehen:  meine größten Probleme hatte ich persönlich mit der Mitternachtssonne. Super, wenn man abends oder nachmittags noch eine Wandertour machen will, grausam, wenn es keine Fensterläden gibt, die komplett abdunkeln. Schlafbrillen sind absolut zu empfehlen, können aber auch nicht 100 % guten Schlaf garantieren.

Was die Preise angeht. Norwegen ist teuer, um ehrlich zu sein sogar sehr teuer. Für ein Bier ist man im Restaurant mal schnell 8 – 10 € los, im Supermarkt 2,50 € die Dose. Beim Essen sieht es ähnlich aus. Eine Pizza oder Burger mit Pommes (nicht im Gourmetrestaurant) liegen je nach Ort bei 15 -20 €, ggf. auch mal drüber. Ähnlich sieht es preislich bei Unterkünften aus.

 

Aber: es geht auch günstiger. Wer mit dem Zelt unterwegs ist, oder in Jugendherbergen (die ich top fand) übernachtet kann deutlich sparen. Auch wer z.B. in den Unterkünften selbst kocht, kann sein Budget schonen.

Elche: bei uns war das schon irgendwie ein Running Gag. Wenn immer ein Schild da stand, welches vor Elchen warnte, wussten wir, dass sich jetzt sicher keiner zeigt. Die Elche hielten sich grundsätzlich nie an die Schilder und waren nur da wo keine Schilder standen. Bei uns dauerte es fast 3000 km bis wir unseren ersten Elch sahen. Dies besserte sich erst gegen Ende der Tour, wo es dann relativ viele waren.

Reisegeschwindigkeit: Strecken die uns in Deutschland wie ein Witz erscheinen können in Norwegen sehr sehr lange dauern. Mit Geschwindigkeiten bis max. 80 km/h außerorts und immer wieder Beschränkungen auf 60 oder 70 km/h, sowie zahlreichen Fährfahrten kommt man nur sehr langsam vorwärts. Abgesehen geben es auch viele Straßen nicht her schneller zu fahren. 3,5 Stunden für 157 km Weg, sind nur ein Beispiel. Wer also nach Norwegen will sollte keine zu langen Wegstrecken einplanen.

 

 

Würde ich wieder hingehen? Sofort! Auch wenn ich nicht noch einmal eine so lange Tour machen würde, sondern mich auf bestimmte Regionen konzentrieren würde. Für uns war es ein Reinschnuppern, um eine Übersicht zu bekommen. Beim nächsten Mal würde ich jedoch gezielt bestimmte Regionen aussuchen.