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5000 km durch Norwegen (Teil 1)

16 Tage, 5300 km Autofahrt und etliche Kilometer zu Fuß so die Bilanz meines Norwegentrips. Nachdem ich vor knapp 23 Jahren das letzte Mal in Norwegen war, zog es mich 2018 wieder in das Land der Mitternachtssonne.

Freitag in der Frühe (4:30 Uhr) ging es los in Richtung Flughafen und von dort nach München. Von dort aus ging es dann weiter in Richtung Göteborg. Wir hatten bewusst Göteborg als Start unseres Norwegentrips gewählt, da in Schweden vieles teuer, aber nicht so teuer wie in Norwegen ist. Dies machte sich schon bei der Mietwagenbuchung bemerkbar. Der kostete in Schweden nur halb so viel wie in Norwegen. Nimmt man dazu noch Getränkevorräte, Essen und Dosenbier, so kommt da schon eine Summe zusammen, die sich lohnt.

 

Göteborg selbst hat mich persönlich jetzt nicht so umgehauen als Stadt, wobei ich sowieso nicht so der Stadtmensch bin, deshalb meine Aussage bitte nicht überbewerten. Sehr schön fand ich persönlich das Naherholungsgebiet Surtesjön, wo wir den Abend verbrachten und eine erste kurze Wanderung machten.

Am nächsten Morgen ging es schon früh los in Richtung Oslo. Auf mehre Tipps hin hatten wir auf dem Weg noch einen Zwischenstopp in Fjällbacka in Bohuslän eingeplant. Fjällbacka, schon mal gehört? Die meisten kennen es wohl aus den Camilla-Läckberg-Krimis, oder der Fernsehserie. Fjällbacka ist ein kleiner pittoresker Ort, zumindest in der Zeit des Jahre in der er nicht von Touristen überrannt wird. Wir waren zeitlich noch gerade so an der Grenze. Neben einer kurzen Stadtbesichtigung ging es für uns noch auf den Vetteberget, einen Felsen von dem man ganz Fjällbacka und Umgebung sehen kann. Durch den Vetteberget führt die Kungsklyfta, die zumindest meiner Generation noch aus dem Film Ronja Räubertochter bekannt sein dürfte. Dort ließen wir auch unsere Drohne starten, um ein paar tolle Aufnahmen von oben zu bekommen.

 

Weiter ging es Richtung Oslo. Dort angekommen starteten wir mit der Stadtbesichtigung. Unser Weg führte uns über die Karl Johan Gate direkt zum königlichen Schloss. Dort angekommen konnten wir direkt den Wachwechsel beobachten. Zu unserem Erstaunen bestand die Wachtruppe aus einem Mann und fünf Soldatinnen. Wenn es übrigens nicht zu voll ist und man nett fragt, darf man sich mit den Soldatinnen auch fotografieren lassen. Da mich Frauen mit Waffen grundsätzlich begeistern, habe ich dies dann natürlich auch gemacht.

Vorbei am Rathaus ging es dann Richtung Hafen und hoch zur Festung Akershus. Im Skur 33 kamen wir das erste Mal mit norwegischen Preisen in Berührung. Mama Mia – 20 Euro für eine Pizza, 10 € für ein Bier. Das war nicht etwa Wucher, nein es war wie wir schnell feststellen mussten etwa das was man in Norwegen für Essen im Restaurant einplanen musste. Aus dieser Erkenntnis heraus beschlossen wir, auch das ein oder andere Mal selbst zu kochen.

 

Über Heddal ging es am nächsten Tag in Richtung Röldal. In Heddal sollte man sich auf jeden Fall die Zeit nehmen und die dortige Stabskirche, die komplett aus Holz besteht zu besichtigen. Eine der schönsten Ecken fand ich übrigens auf diesem Abschnitt (der E134 folgend) den Übergang zwischen Telemark und Hordaland, ab etwa der Stadt Haukeli. Berge, eine Hochebene und ein paar Seen. Landschaftlich ein absoluter Genuß. In Röldal begann dann der Regen, der uns die kommenden 2 Wochen ständig begleiten sollte. Wir fuhren noch kurz weiter zum Latefossen, einem sehenswerten Wasserfall, der kurz hinter dem Örtchen Skare liegt. Auch der Regen konnte das Ganze nicht vermiesen, aber er nervte schon extrem beim Fotografieren.

 

Am nächsten Tag wollten wir auf den berühmten Preikestolen wandern. Diese quadratische Felskanzel (mit Riss) die 600 m über dem Lysefjord thront.  Seit meinem letzten Besuch hatte sich dort leider viel verändert. Waren es damals noch einige Individualtouristen, die den Weg dort rauf fanden, so gab es heute einen großen Parkplatz auf dem zahlreiche Reisebusse standen. Diese karrten in Scharen Tagestouristen aus Bergen und Stavanger an, die dort mit den Kreuzfahrtschiffen anlandeten. Dank des Regens, hielt sich der Andrang an diesem Tag noch in Grenzen. Vor den „Gipfelstürmern“ liegt eine ca. 2 stündiger Weg der teilweise ausgebaut ist, aber auch größtenteils über mehr oder weniger hohe Steine und Felsen führt. Hin und zurück braucht man angeblich jeweils 2 Stunden. Wir schafften es in knapp 1:15 nach oben, wobei man schon sagen muss: es war anstrengend. Furchtbar war in jedem Fall, in welchem Outfit/Zustand sich manche Touristen auf den Weg machten. Angefangen von Leuten, die auf den ersten 100 Höhenmetern schon beinahe kollabierten, bis hin zum Wandersmann mit Slippern und Plastiktüte in der Hand. Letzterer scheiterte tatsächlich an seiner Ausrüstung. Wegen des Regens war es dort oben nämlich extrem rutschig. Zwei gut ausgerüstete Hiker hatten am Ende Mitleid und schleppten den guten Herren dann auf den Gipfel, nachdem er selbst nicht mehr vorankam. Den Abend verbrachten wir dann in Stavanger, wo sich insbesondere der kleine Teil um die Altstadt als absolut sehenswertes Highlight entpuppte.

 

Die nächste Station war das schöne Bergen. Zuerst ging es für uns auf den Floyen, den Hausberg von Bergen. Mit der Floyenbahn ist man in wenigen Minuten ob, alternativ kann man auch in knapp 30 Minuten nach oben laufen. Oben hat man eine sensationelle Aussicht auf die Stadt und wem der Trubel zu viel wird, der kann sich an einen schönen kleinen See in knapp 500 m Entfernung zurückziehen. Ein absolutes Muss in Bergen ist ein Besuch von Bryggen dem Hanseviertel am Hafen. Hier sollte man unbedingt durch die alten, windschiefen Häuser und Gassen schlendern Neben tollen Fotomotiven gibt es hier auch noch vieles anderes zu entdecken.

Am darauffolgenden Tag ging es für uns weiter in Richtung Hellesylt, welches direkt am schönen Geirangerfjord liegt. Mit dem Wetter hatten wir echt glück, da es an dem Abend ausnahmsweise mal trocken und sonnig war. Kurz nach unserer Ankunft fuhr dann bereits das erste Kreuzfahrtschiff in den Hafen ein. Auch wenn es ein tolles Motiv gab, es wirkte irgendwie deplatziert.

 

Von Hellesylt ging es bei strömendem Regen weiter in Richtung Alesund. Auf dem Weg dorthin machten wir am Gudbrandsjuvet halt.  Gudbrandsjuvet ist eine 5 Meter breite und 20-25 Meter tiefe Schlucht, die der Fluss Valldøla gegraben hat. Sie liegt an der Reichsstraße 63 auf dem Weg zum Trollstigen. Den Kaffee und das Gebäck im kleinen Restaurant kann ich übrigens wärmstens empfehlen. Frisch gestärkt ging es zum bereits erwähnten Trollstigen. Einer Bergstraße, die sich in Haarnadelkurven den Berg herunterwindet und an der an manchen Stellen kaum zwei Autos aneinander vorbeipassen.  Wind, Temperatur und Regen luden leider nicht zu einem längeren Aufenthalt ein, auch wenn der Trollstigen wirklich sehenswert ist. Am späten Mittag erreichten wir Alesund wo wir auf den Berg Aksla stiegen. (faule Menschen können auch fahren, wir nahmen die 400 Treppen) Dort hat man von den Aussichtspunkten Fjellstua und Kniven eine sagenhafte Sicht auf Alesund und Umgebung.

 

 

Unser nächster Abschnitt führte uns von Alesund nach Trondheim. Als Fahrtroute wählten wir den Weg über die alte Reichsstraße 64. Der schönste Teil ist die Atlantikstraße, bzw. der Atlanterhavsvegen zwischen Vevang in der Kommune Eide und dem auf einer Insel gelegenen Kårvåg in der Kommune Averøy. Hier geht es auf etwa 8 km über lauter kleine Inseln. Am Abend besichtigten wir noch den Nidarosdom in Trondheim der auf der Grabstätte des Königs Olav Haraldsson gebaut wurde.