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Der Einstieg ins Tauchen

Ebenso schön wenn nicht sogar schöner als die Welt über Wasser, ist die Welt unter der Wasseroberfläche. Reisen und Tauchen sind bei mir persönlich immer sehr eng miteinander verbunden. In meinem Geldbeutel steckt immer mein Brevet (das Kärtchen was mich als Taucher ausweist) damit ich, falls ich zufällig an einem sensationellen Tauchspot bin, spontan mal den ein oder anderen Tauchgang machen kann.

Zahlreiche Taucher haben, so wie auch ich, ihren ersten Berührungspunkt mit dem Tauchsport auf einer Urlaubsreise. Bei mir was es in Dubai, wo ich in eher trübem Wasser mein erstes Schnuppertauchen in 8m Tiefe absolvierte. Als ich dann beim nächsten Aufenthalt in Kroatien eher bescheidenes Wetter hatte und aus dem Strandurlaub eher ein Hotelzimmeraufenthalt zu werden drohte, entschloss ich mich in der Tauchschule am Hotel einen Tauchkurs zu machen. Zu meinem Glück war es die letzte Woche vor Ende der Saison und ich war der einzige Tauchschüler an der Basis. Somit hatte mein Tauchlehrer Andi sehr viel Zeit, mir die Grundlagen des Tauchens beizubringen.

 

In diesem Blogbeitrag will ich Euch nicht erklären wie man taucht, dafür sind Tauchlehrer da. Er soll denen, die schon immer mal Tauchen ausprobieren wollten und Anfängern einen kleinen Einblick geben, wie man den ersten Schritt in die Faszination Tauchen macht.

 

Taucher ist nicht gleich Taucher:

 

Die meisten Taucher weltweit sind so wie ich Sporttaucher. Als Sporttaucher erreicht man schon sehr viele schöne Ecken der Unterwasserwelt und die Grenzen innerhalb des Sporttauchens sind auch noch ein klein wenig dehnbar. Irgendwann kommt man dann allerdings in den Bereich des technischen Tauchens, wo sowohl im Bezug auf das Wissen, als auch auf die Ausrüstung andere Anforderungen gelten, da hier auch schon kleine Fehler große Probleme nach sich ziehen können.

 

Die Verbandsdiskussion:

 

Wenn ihr zu einem Verein oder Tauchschule geht, seht ihr zumeist schon irgendwo ein Schild auf dem steht: „Wir bilden nach PADI, SSI, CMAS, Barakuda o.ä. aus.“ Sagt Euch erstmal nichts? Macht auch nichts. Der größte Unterschied ist: das Eine sind profit-orientierte Firmen, das Andere nicht-profitorientierte Verbände. Tauchen lernen könnt ihr bei jeder dieser Organisationen und auch die Brevets sind i.d.R. weltweit anerkannt. Die Qualität steht und fällt auch nicht mit der Organisation, sondern hängt immer vom jeweiligen Tauchlehrer ab. Ich persönlich habe mit einer CMAS-Ausbildung angefangen, bin dann aber irgendwann zu SSI gewechselt. Jede der genannten Organisationen hat ihre Vor- und Nachteile, die sich z.B. in Ausbildungsmaterialien und Lernstufen unterscheiden. Wo man letztlich anfängt oder aufhört hängt immer von den persönlichen Präferenzen und Zielen ab.

 

Tauchschulen oder Basen:

 

Viele landen, wie ich schon einleitend geschrieben habe, im Urlaub beim Tauchsport. Ob eine Basis gut oder schlecht ausbildet kann man nicht sofort erkennen, es gibt aber Dinge auf die man achten sollte. Zunächst einmal ist es das Ziel einer Tauchschule mit Euch Geld zu verdienen. Je mehr Kurse sie verkaufen, desto besser für die Tauchschule. Darunter sollte aber die Ausbildungsqualität nicht leiden. Wichtig ist schon mal, dass sich die Tauchschulen beim Kennenlernen Zeit für Euch nehmen. Jemand sollte gerade Euch als Anfängern mal etwas über die Abläufe eines Kurses erklären und sich dann idealerweise auch mal kurz die Tauschule selbst zeigen, bevor Ihr irgendeinen Vertrag unterschreibt. Hier bekommt ihr schon mal einen ersten guten Einblick und die Möglichkeit Euch ein Bild zu machen. Ist eine Basis chaotisch und/oder dreckig, ist das schon mal ein erster Indikator, dass man sich möglicherweise eine Alternative suchen sollte. Lasst Euch auch die Leihausrüstungen mal zeigen. Hängen die Neoprenanzüge schon in Fetzen, fallen die Jackets fast auseinander oder sind die Druckluftflaschen total verrostet, wäre dies für mich auch ein Grund die Flucht anzutreten. Dies heißt nicht, dass ihr immer darauf achten müsst, dass eine Tauchschule nur nagelneue Sachen hat. Nein, auch ältere, gut gewartete Ausrüstung ist absolut in Ordnung. Der wichtige Punkt ist: gepflegt muss sie sein. Wichtig ist auch die Gruppengröße bei der Ausbildung. Im Theorieunterricht können dies schon ein paar Leute (6-12) sein. In der Praxis (Freiwasser) sollten aus meiner Sicht aber nicht mehr wie 2-3 Schüler bei einem TL sein, es sei denn es sind noch andere erfahrene Taucher dabei, die assistieren. Passen all diese Indikatoren, könnt ihr entweder erstmal ein Schnuppertauchen machen oder ihr entschließt Euch gleich Euren Tauchkurs zu machen.

 

Kurse:

 

Was für einen Kurs soll ich machen? Idealerweise einen Anfängerkurs, doch auch hier gibt es schon die ersten Hürden. Manche Schulen bieten nach der EU Norm den Supervised Diver /Beaufsichtigter Taucher an. Bei PADI heißt der Scuba Diver bei SSI hingegen Passport Diver/Scuba Diver. Klingt klasse, ist aber nutzlos, wenn ihr irgendwann mal selbständig tauchen wollt. Fragt direkt nach einem Kurs nachdem ihr nach der EU Norm als Autonomous Diver /Selbständiger Taucher abschließt. Bei den meisten Organisationen nennt sich das Open Water Diver, bei CMAS Bronze oder 1 Stern-Taucher. Dieser Kurs vermittelt Euch die Grundlagen des Tauchens und ist ein guter Einstieg. Auch wenn es sich Selbständiger Taucher nennt, in so kurzer Zeit lernt man gerade mal die Basics und ist noch ein ganzes Stück weit entfernt vom selbständigen Taucher. Zudem gelten je nach Organisation für Euch erstmal gewisse Tiefenlimits.

Die meisten Kurse beginnen in einem Pool oder im relativ flachen Freiwasser. Bevor es losgeht werdet Ihr an der Tauchschule mit dem notwendigen Leihequipment ausgestattet. Dieses sollte idealerweise gut passen. Seid ihr Euch nicht sicher: nachfragen kostet nichts und löst so manches Problem schon, bevor es nachher im Wasser auftritt. Die Kursinhalte sind je nach Schule, Tauchlehrer und Verband unterschiedlich. Am Ende solltet Ihr jedoch egal wo Ihr ausgebildet werdet, die Grundlagen des Tauchens verstanden habe.

 

Wie geht es weiter

 

Wenn Ihr mal den Einstieg geschafft habt, geht es weiter mit ganz viel üben. Mit jedem Tauchgang lernt Ihr dazu und verbessert Eure Fähigkeiten. Wichtig dabei ist es, dass Ihr dabei innerhalb Eurer Ausbildungsgrenzen bleibt. Tauchen ist prinzipiell nicht gefährlicher als andere Sportarten, man sollte jedoch wissen, was man macht, was man kann und wo die eigenen Grenzen liegen. Leider wissen dies viele Taucher nicht, weil sie es entweder ignorieren oder nicht beigebracht kriegen. Mit einem Grundkurs der etwas Theorie und manchmal sogar nur 5 Tauchgänge beinhaltet, habt ihr noch nicht das Wissen und auch nicht das Können selbständig loszutauchen. Schließt Euch bei Euren Tauchgängen erfahrenen Tauchern an, bzw. treibt Eure Ausbildung weiter voran. Entscheidet Ihr Euch zunächst praktische Erfahrungen zu sammeln, sprecht mit Euren Buddies offen über Euren tatsächlichen Ausbildungsstand und sagt auch offen und ehrlich, wenn Euch etwas Sorgen bereitet oder Ihr Euch etwas nicht zutraut. Weder Ihr noch Euer Buddy haben am Ende was davon, wenn Ihr wegen schlechter Kommunikation, Selbstüberschätzung oder einer falschen Tauchgangsplanung am Ende in einer Situation landet, in der die Gesundheit der Teilnehmer auf dem Spiel steht. Mir ging es selbst auch (nicht nur einmal) so. Offiziell sollte ich mit einem „erfahrenen“ Taucher ins Wasser gehen. Er hatte laut eigenen Aussagen fast 80 Tauchgänge und war AOWD. Schon beim Buddycheck passte bei Ihm das Ein oder Andere nicht, worauf ich mich gleich dahingehend äußerte, dass wir zum Einstieg und Beschnuppern erstmal einen gemütlichen nicht ganz so tiefen Tauchgang machen sollten. Er jedoch meinte, er wollte wenn wir schon an einer so schönen Felswand waren gleich einen „richtig tiefen“ Tauchgang machen. Als wir beim Abtauchen auf ca. 3-4 m angekommen waren, fiel mir erstmal seine vollgelaufene Maske auf. Schien ihn nicht zu stören, denn er gab mir das OK-Zeichen. Nach paar Metern löste sich dann seine Bleitasche, so dass er erstmal wieder nach oben durchschoss. Als wir all diese Probleme gefixt hatten, starteten wir nochmal. Tarierung (im Wasser schweben) war bei ihm ebenfalls nicht so ausgeprägt, mit dem Ergebnis, dass er erstmal den sandigen Grund durchpflügte. Fazit des Ganzen: der gute Herr hatte mir fast eine Stunde an Bord des Boots erzählt was für ein toller Hecht er ist und wo er schon überall getaucht ist. In der Praxis war er näher am OWD als am AOWD. Ein „richtig tiefer“ Tauchgang, wie von ihm gewünscht hätte für einen von uns, wenn nicht sogar für beide mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Tauchunfall geendet, denn auch während des Tauchgangs zeigten sich immer wieder eklatante Ausbildungsmängel. Als Gruppenführer habe ich bei 15m dann die Reissleine gezogen und signalisiert, dass wir nicht tiefer gehen. In dem Moment war er zwar etwas angefressen, im Nachhinein hat er sich aber dann auch eingestehen müssen, dass er sich überschätzt hatte.

Ich hoffe der kleine Beitrag hat Euch beim Einstieg in den Tauchsport etwas weitergeholfen. In den nächsten Wochen gibt es eine Fortsetzung.

 

 

 

Immer „Gut Luft“ wünscht Euch Euer Chris!