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1001 Nacht im Oman

Am 1. Mai ging es mit Etihad von Frankfurt über Abu Dhabi nach Muscat in den Oman. Auch für mich absolutes Neuland, entsprechend gespannt harrte ich der Dinge die dort auf mich zukommen würden.

 

Für die 8 Tage hatte ich mich im Al-Bustan Hotel etwas südlich von Muscat eingebucht. Laut diverser Hotelführer und Reiseseiten eines der besten Hotels in der Golf Region. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Schon bei der Ankunft ahnte ich, dass diese in Erfüllung gehen würden. Durch ein Tor, vorbei an zahlreichen Palmen ging es in Richtung Eingangsbereich. Die Haupthalle, ein absoluter Hammer, der sich leider auf keinem Foto in der wahren Größe und Schönheit festhalten lässt. Ähnlich beeindruckend war auch der Außenbereich des Hotels. Ein Garten mit Palmen, feinstem Rasen und einer grandiosen Poollandschaft rundeten das Gesamtbild ab. Entsprechend hochklassig war auch der Service des Hotels, es gab nichts, aber auch gar nichts zu bemängeln. Vom Personal bis zum Essen (für mich selbstverständlich ein wichtiger Punkt) stimmte alles ohne Wenn und Aber.

 

Am zweiten Tag ging es mit dem kulturellen Teil des Programms los. Am frühen Morgen wurden wir von unserem omanischen Fahrer Said abgeholt der uns an diesem Tag Muscat und Umgebung zeigen sollte. Zuerst ging es in die große Moschee von Muscat, die nicht nur laut Said sondern auch zahlreicher anderer Stimmen eine der schönsten der Welt sein soll. Da ich noch nicht in vielen war, fehlt mir etwas die Möglichkeit dem zuzustimmen, aber das was ich dort sehen konnte begeisterte mich jedoch total. Die muslimisch/arabische Baukunst dieser Moschee ist absolut überwältigend und ich kann es nur jedem nahe legen, der dort ist, dies einmal selbst zu besichtigen. Weiter ging es vom Botschaftsviertel nach Muttrah in den dortigen Fischsouk, wo wir als einzige Touristen dem geschäftigen Treiben der Einheimischen zuschauen konnten. Zusammen mit Said unterhielten wir uns mit einigen Fischern, bevor es dann weiter zum lokalen Schmuck-, Gewürz- und Bekleidungssouk ging, wo mich ein paar Einheimische unter großer Begeisterung und Gelächter erstmal in einheimische Tracht hüllten.

 

Nach einem Lemon-Mint Refresher in einem kleinen Cafe ging es weiter ins Bait Al Zubair Museum, welches einen Überblick über die Geschichte des Omans gab. Den Abschluss bildete eine Fahrt durch das „alte Muscat“ mit seinen Forts und dem Palast des Sultans. Den Rest des Tages zog es mich dann an den Pool.

 

Am übernächsten Tag holte uns Said schon früh morgens ab, denn es ging auf Tour ins Hinterland. In Nizwa, welches früher die Hauptstadt des Omans war, waren wir endgültig im Oman angekommen. Im Silber- Waffen und Dattelsouk waren wir wieder so ziemlich die einzigen Touristen. Hier handelten wirklich noch Omanis mit Omanis und wir waren eher Beobachter als wirkliche Zielkunden der Händler (wobei mich so ein Dolch schon gereizt hätte). Nach der Besichtigung des Forts ging es weiter zum ca. 3000 m hohen Jebel Shams (Berg der Sonne), der eine tolle Aussicht auf die Berge bot. Das eigentliche Highlight war jedoch die Fahrt vom Jebel Shams zum Wadi Bani Awf. Obwohl mir im Leben eigentlich selten etwas wirklich Panik macht, war die „Abfahrt“ ins Tal nichts für schwache Nerven und auch ich musste manchmal tief durchatmen. Die Omanis haben es irgendwie geschafft hier eine Schotterpiste mitten in die steilen Flanken des Berges zu hauen, wo niemand eine „Straße“ vermuten würde. Wobei der Begriff Straße dem ganzen nicht mal annäherungsweise nahe kommt, da dieser Schotterweg nur mit Allradfahrzeugen und bei gutem Wetter befahrbar ist. Die steilen Felshänge sorgen regelmäßig dafür, dass der Weg von Gerölllawinen und Steinschlägen verschüttet oder gar komplett zerstört wird. Said konnte glaube ich Gedanken lesen und erklärte uns immer wieder, dass mit Allahs Segen und seinen Fahrkünsten bisher immer alles gut ging und er auch für den heutigen Tag optimistisch wäre.  Er sollte Recht behalten. Im Tal angekommen machten wir ein Picknick, wobei eine Horde Ziegen uns das Leben schwer machte, da sie davon ausgingen, dass wir unser Essen unbedingt mit ihnen teilen wollten. Erst als ich mich auf einen Stein kletterte konnte ich im Gegensatz zu den anderen in Ruhe mein arabisches Picknick genießen. Den Abschluss bildete an diesem Tag das Fort in Nakhl, bevor wir wieder ins Hotel fuhren.

 

Die kommenden zwei Tage waren voll und ganz dem Tauchen gewidmet. Mit dem Stingray des Oman Dive Center ging es ca. 40 Minuten gen Süden. Dort angekommen konnten wir auf unseren zwei 40-45 minütigen Dives Tintenfische, Netzmuränen, einen Steinfisch, einen Skorpionfisch und zahlreiche andere mit unbekannte Fischarten sehen. Highlight des Tages war jedoch kein Fisch sondern Alberto, ein ca. 45 jähriger Italiener, der zu 70er Jahre Motown Musik auf dem Oberdeck, in einer in sämtlichen Pastellfarben gestreiften Speedo-Badehose, groovte als ob es kein Morgen gäbe. Priceless!

 

Am kommenden Tag ging es mit deutlich weniger Leuten ebenfalls auf dem Stingray nach Mina Fahal. Der erste Tauchgang war absolut überragend. Neben Korallen in allen erdenklichen Farben gab es zum Abschluss eine riesige Netzmuräne, die alle anderen die ich bis dahin gesehen hatte um fast die dreifache Größe des Kopfes übertraf. Das Highlight des Tages wurde aber der zweite Tauchgang. Bei Laura, meinem „guide“ hatte ich mir zum Abschluß noch eine Schildkröte gewünscht. Identisch zum ersten Tauchgang war wieder ein ca. 45 minütiger one-way Tauchgang angedacht. Wir schwammen also los und obwohl ich mich wunderte warum wir entgegen dem Briefing nach rechts schwammen, machte ich mir keine weiteren Gedanken, denn ich konnte ja auch was falsch verstanden haben. Ich machte mich zwar kurz bemerkbar und teilte meine abweichende Einschätzung mit, aber – hey – ich war ja nicht der Guide und wurde überstimmt. Wie auf Bestellung kam dann nach ca. 20 Minuten auch meine Schildkröte. Was allerdings fehlte war, als wir auftauchten das Schiff, denn wir waren irgendwie am anderen Ende der Insel. So oder so ähnlich stelle ich mir das Gefühl wie im Film Open Water vor, Taucher da, Boot weg.

 

Wir entschieden also zurückzuschwimmen, doch das gestaltete sich etwas schwierig, da Gerlinde, unser drittes Gruppenmitglied nicht gut vorwärts kam. Wir entschieden also, dass ich auf Gerlinde warten sollte und Laura ohne Equipment Richtung Boot schwimmen würde um unsere Position anzuzeigen. Ich wartete also mit der mittlerweile leicht panischen Gerlinde und sah Laura am Horizont immer kleiner werden. Irgendwie hatte die Besatzung wohl schon geahnt, dass da jemand beim Briefing geschlafen hatte, denn sie waren bereits auf der Suche nach uns. Wieder an Bord, gab es erstmal ein Donnerwetter für Laura und einen Tee für uns.

 

Am letzten Tag ging es für uns als krönender Abschluss noch mal auf Tour in die Wüste. Said, der sich für uns eher zum Freund als zum Guide entwickelt hatte, erklärte uns, dass wir ohne einen Ausflug in die Wüste nicht den wahren Oman kennengelernt hätten. Zuerst ging es zum Wadi Bani Khaled, einem Platz wie ich mir das Paradies auf Erden vorstelle. In Mitten der berge war eine Oase aus Dattelpalmen und kleinen blau-grünen natürlichen Wasserpools. Darinnen badeten einige Einheimische, andere saßen am Ufer und musizierten. Ein paar Jugendliche luden Said und uns ein, mit ihnen frische grüne Mangos mit Salz und Chili zu essen. Hätte auf uns nicht die Wüste gewartet, ich hätte noch Stunden dort bleiben können. Weiter ging es an den Rand der Wüste wo wir einen mit Said befreundeten Beduinen in seinem „Haus“ besuchten und dort auf Datteln und Kaffee eingeladen wurden. Nach diesem kurzen Zwischenstopp folgte der ca. 40 minütige Trip quer durch die Wüste (mitten durchs nirgendwo über haushohe Dünen) zum 1000 Nights Camp. Einem Zeltcamp für Touristen, die eine Nacht in der Wüste verbringen wollen. Dort hatte Said für uns ein omanisches Mittagessen organisiert. Während er sein Gebet verrichtete konnten wir uns im Camp umsehen, das bis auf uns total verlassen war. Kein Wunder bei 49 Grad Celsius. Im Hotel angekommen verabschiedeten uns wir von Said und dann hieß es leider schon Koffer packen.

 

Der Oman ist eines der schönsten Länder die ich jemals gesehen habe, ursprünglich, touristisch in vielerlei Hinsicht noch wenig erschlossen, vor allem wenn man ins Hinterland fährt und landschaftlich absolut vielfältig. Jeder, aber auch wirklich jeder Omani den wir getroffen haben war freundlich, hilfsbereit und gastfreundlich. Wir haben uns zu keiner Zeit an keinem Ort unsicher oder nicht willkommen gefühlt. Egal ob allein oder mit Guide, überall waren die Einheimischen höflich und zuvorkommend. Nach diesem Aufenthalt plane ich nächstes oder sogar schon dieses Jahr nochmals in den Oman zu gehen. Aller Voraussicht nach mit ein paar mehr Tauchgängen und einigen weiteren Ausflügen inkl. einer Nacht in der Wüste.