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Bergwanderungen - Die richtige Vorbereitung

Die richtige Vorbereitung – für mich das A und O einer gelungenen Tour. Wer bei der Planung Fehler macht muss sich nicht wundern, wenn am Ende der Tour der Spaßfaktor bei Null liegt oder man sich möglicherweise in einer kritischen Situation befindet, aus der man selbst nicht mehr oder nur schwer wieder heraus kommt. Meine Tipps sind immer aus der Sicht eines Einsteigers zu sehen und beziehen sich rein subjektiv auf meine Erfahrungen, die ich bei der Vorbereitung in den letzten Jahren selbst gemacht habe.

 

Es fängt prinzipiell schon bei der Auswahl des Reiseziels, bzw. der richtigen Tour an. Nicht jeder Mensch ist für jede Tour mental, körperlich oder ausrüstungstechnisch geeignet. Eine gesunde, kritische Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten ist für mich persönlich die absolute Grundlage bei der Tourenplanung.

 

Die Route

Bei der Tourenplanung sollte man sich zuerst über die Schwierigkeitsbewertungen der jeweiligen Route schlau machen. Prinzipiell unterscheidet man zwischen Bergwandern, Klettersteig und Klettern.

 

 

Nehmen wir mal mich als Beispiel:  Als Gelegenheitswanderer mit etwas Klettersteigerfahrung, sollte ich mir darüber im Klaren sein, dass für mich auf einem leichten Klettersteig das Ende der Fahnenstange erreicht ist, was die individuelle Tourenplanung ohne Guide angeht.

Neben der Schwierigkeitsbewertung spielen auch Distanz und Höhenmeter eine entscheidende Rolle, denn daraus ergibt sich die Gehzeit die ich benötige, um mein Ziel zu erreichen. Je weiter,  je höher, desto wichtiger ist eine gute körperliche Verfassung und Grundkondition.  Die meisten Berge haben ihre schwierigen Stellen oftmals im letzten Drittel des Weges (nach oben), bzw. im ersten Drittel auf dem Weg nach unten. Ohne die notwendige Konzentration und Trittsicherheit kann es schnell auch mal gefährlich werden.

Habe ich dies alles berücksichtigt, gilt es diese Kriterien auch gegen die Fähigkeiten und Erfahrung des Rests meiner Wandergruppe zu evaluieren. Das schwächste Glied in der Gruppe muß dabei der Maßstab für die Wahl der Route sein.

 

Das Wetter

Ist die Route gewählt, so kann die eigentliche Vorbereitung beginnen.  Da das Wetter in den Bergen oftmals der entscheidende Faktor über Erfolg oder Misserfolg ist, sollte man sich vorher erkundigen, welche Monate i.d.R. die Größte Stabilität garantieren. Auf Seiten wie z.B. https://www.bergfex.de/ kann man sich optimal über die langfristigen, als auch die kurzfristigen Prognosen informieren.

 

Die körperliche Vorbereitung

Ist der Zeitpunkt der Wanderung noch ein paar Wochen entfernt, kann sich eine sportliche Vorbereitung mitunter positiv auswirken. Meine persönliche Erfahrung war, dass sowohl gezieltes Krafttraining der Bein- und Rumpfmuskulatur, als auch Ausdauertraining auf dem Crosstrainer bzw. dem Stepper sich durchaus bezahlt gemacht haben.

Am Tag vor der Tour empfiehlt es sich seinen Wasser- bzw. Elektrolytehaushalt entsprechend vorzubereiten. D.h. die Speicher des Körpers sollten entsprechend gefüllt werden, um die benötigte Energie punktgenau abzurufen. Ein konkretes Beispiel: bei unserer Tour auf die Zugspitze habe ich zwischen 8:00 Uhr morgens und 17:30 Uhr nachmittags ca. 5 Liter Flüssigkeit (anti-alkoholisch) zu mir genommen. Auf die Toilette musste ich in dieser Zeit gerade nur ein einziges Mal.

 

Die Ausrüstung

Passen Wetter, Route und körperliche, sowie auch geistige Verfassung, dann sollte man sich noch um den Punkt Ausrüstung kümmern. Bei der Kleidung hat sich das Zwiebelprinzip bewährt. Mehrere Kleidungsschichten, die ich je nach Bedarf an und wieder ausziehen kann. Dazu gehören je nach Temperatur auch Wind-, Regen- oder Kälteschutz.

Für die Füße habe ich persönlich zwei favorisierte Varianten. Entweder Laufsocken, mit Kompression, oder alternativ meine alten Baumwollsocken von der Bundeswehr. Beide haben sich schon auf bis zu 30 km langen Touren mehrfach bewährt. Um Blasen zu vermeiden klebe ich die typisch anfälligen Stellen mit einem elastischen Kinesiotape ab.

Bei den Schuhen schwöre ich auf mindestens den Knöchel bedeckende Wanderstiefel  mit stabiler, rutschfester Sohle. Für den normalen Wanderer müssen diese nicht steigeisengeeignet sein. Aus meiner Sicht sind die Kategorien A/B bzw. B hier vollkommen ausreichend. Sobald es jedoch Richtung Hochgebirge oder Klettersteig geht, sollte Kategorie B/C die Basis sein. Wenig Sinn macht es nagelneue Schuhe zu verwenden. Diese sollte man erst auf kleineren Wanderungen oder Spaziergängen einlaufen. Bei der Größe sollte man lieber eine halbe bis ganze Größe mehr nehmen, als man sonst trägt, da der Fuß bei längeren Touren dazu neigt anzuschwellen.

Teleskopstöcke – fand ich immer doof, bis ich sie dann mal bei einer etwas anspruchsvolleren Tour benutzt habe. Seit dem würde ich vermutlich nie mehr ohne gehen, da sie Rücken und Gelenke ein wenig entlasten und zusätzliche Stabilität im Gelände geben.

Rucksack – auf jeden Fall am Rücken und den Riemen gepolstert. Die Größe sollte man abhängig davon machen, was man alles wirklich für die Tour benötigt. In meinem Fall sind das immer Getränke (Trinkbeutel oder leichte Flasche), eine kleine Mahlzeit (ich schwöre hier auf Energie- und Eiweissriegel),  Erste-Hilfe Set, ein Taschenmesser, ein Stück Seil, eine Mütze, Sonnencreme, eine Handy für Notfälle und noch Ersatzschnürsenkel.

Helm – nicht bei jeder Bergwanderung macht ein Helm Sinn, sind aber kleinere versicherte Passagen oder Querungen auf dem Weg, bei denen ein gewisses Maß an Steinschlaggefahr besteht, kann es absolut Sinn machen einen Helm mit sich zu führen.

 

Die finale Planung

Die bis hierhin aufgezählten Punkte bilden alle für mich den Rahmen einer jeden Tour. Wenn der Tag der Tour näher rückt sollte man sich mit der finalen Planung (auch in der Gruppe) befassen.

Dazu gehört für mich als einer der wichtigsten Punkte, den Plan B und/oder sogar den Plan C vorab in der Gruppe zu besprechen. Diese sollten die Situationen beinhalten, die möglicherweise unerwartet unterwegs auftreten können.

Was passiert z.B. wenn ein Weg aufgrund eines Erdrutsches oder wegen Eis und Schnee unpassierbar ist? Oder was mitunter noch eher wahrscheinlich ist: wie reagiere ich bei einem Wetterumschwung. Nebel, Regen, Schnee oder im schlimmsten Fall ein Gewitter bringen unterschiedliche Risikofaktoren in die Tour. In diesen Fällen sollte vorab geklärt sein, wie der Plan der Gruppe in solch einer Situation aussieht. Man sollte sich vorab in jedem Fall über Schutzhütten auf der Route erkundigen, in die man bei Bedarf ausweichen kann. Ist ein Wetterumschwung absehbar und traut man sich die Planung einer Tour bzw. eine Einschätzung nicht zu, kann es durchaus Sinn machen, sich einen Bergführer bei einer lokalen Alpinschule anzuheuern. Kostet i.d.R. nicht die Welt, gibt aber ein zusätzliches Plus an Sicherheit.

Hat man einen Bergführer, ist auch ein weiterer wichtiger Punkt vorab geklärt: die

Gruppenhierarchie. Ohne eine gewisse Hierarchie geht es nicht. In kritischen Situationen oder in Notfällen muss es einen geben, der die Richtung bzw. das Vorgehen vorgibt, denn dann ist oft schnelles, zielführendes Handeln gefragt und zur demokratischen Abstimmung fehlt meist die Zeit.  Dies sollte aus meiner Sicht immer der bzw. diejenige mit der meisten Erfahrung sein, vorausgesetzt er/sie ist auch in der Lage in solchen Situationen besonnen zu handeln. Von daher: die Gruppenhierarchie muss vor der Tour geklärt werden.

 

 

Ich hoffe der kleine Guide hilft Euch bei Eurer Planung ein wenig weiter.