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Über Kanadas Westen nach Alaska (Teil 2)

Jasper – Prince George

 

Bis auf die Sichtung eines Wolfes war die Fahrt nach Prince George weniger spektakulär.

Der Ort selbst ist zumindest am Anfang eher abschreckend, da er eher einer hässlichen Industriestadt gleichkommt, als dem was man sonst so in Kanada sieht.

 

Erschreckend war die hohe Anzahl betrunkener Ureinwohner, dort schon mittags um 12 völlig besoffen waren und auf der Straße umhertorkelten.

 

Da es sich um ein Wochenende handelte kamen wir in den Genuß den örtlichen Farmers Market zu besuchen. Dieser war sehr unterhaltsam und man kam mit vielen Verkäufern ins Gespräch. Alles in allem war Prince George nur eine Durchgangsstation. Länger als eine Nacht muß man hier nicht gastieren.

 

Prince George – Stewart/Hyder

 

Am folgenden Tag stand unsere wohl längste Etappe auf dem Plan. Es ging dabei vorbei an Vanderhof und den Hazeltons in Richtung Meziadine Junction. Der erste Teil der Fahrt ging hauptsächlich durch Farmland, was aber auch seinen Reiz hatte. Der beste Teil der Fahrt lag jedoch zwischen der Abzweigung vom Yellowhead Highway und Stewart. Auf dieser Strecke von fast 200 km begegneten uns sage und schreibe gerade mal 2 Autos.

 

UND: es war mal wieder Zeit für Bären. Nachdem wir zuerst die Chance hatten einen mürrischen, alten Zeitgenossen abzulichten, der sich für meinen Geschmack neugierig unserem Auto näherte, gelang es uns später noch eine Bärenmutter mit ihrem Jungen zu fotografieren.

 

Kurz vor Stewart besichtigten wir noch den Bear Glacier.

 

Von Stewart aus ging es für uns dann kurz noch weiter zum Fish Creek, auf die amerikanische Seite der Grenze. Bären selbst waren saisonbedingt als wir dort waren nicht anwesend, wobei uns andere Touristen berichteten, das sie dort eine Bärin mit Nachwuchs gesehen hätten.

 

Den Abend verbrachten wir im King Edward Motel, welches mit seinem 60er Jahre Charme alles in allem sehr gemütlich war.

 

Steward/Hyder – Watson Lake

 

Ebenfalls zu früher Stunde (so gegen 8.30 Uhr) ging es am Folgetag auf den Weg.  Ziel der Etappe war Watson Lake im Yukon Territory. Der Tag begann mal wieder mit einigen Bären, die zu früher Stunde schon beim Futtern waren.

 

Die Fahrt führte uns entlang des Cassier Highways durch wunderschöne, fast unberührte Natur. Die Schotterstraße war in erstaunlich gutem Zustand, stellte aber trotzdem endlich mal eine Herausforderung an unseren Jeep dar. Endlich hatte ich mal den Fahrspass den ich mir gewünscht hatte.

 

Vorbei an beschaulichen Seen erreichten wir das Tatogga Lake Resort. Die dortige Tankstelle mit angeschlossenem kleinen Restaurant wird von dem Schweizer Hal Althaus und seiner Frau bewirtschaftet. Hier nahmen wir einen kleinen leckeren Imbiss ein, bevor wir unsere Fahrt gen Norden fortsetzten.(TIPP : leckere Suppen und frische Sandwiches)

 

Etwas weiter nördlich hatten wir dann noch das Glück unser erstes Moose zu sehen. Es stand nicht weit der Straße in einem Holzeinschlag und beobachtete uns skeptisch. Gottseidank bewegte es sich nicht fort, so gelang es uns einige tolle Aufnahmen zu machen.

 

Kurz darauf überquerten wir die Grenze zwischen British Columbia und dem Yukon Territory. Wenig später erreichten wir dann Watson Lake. Nicht zu übersehen war schon direkt am Ortseingang der berühmte Signpost Forrest. Faszinierend war vor allem die Tatsache, dass bei den fast 70.000 Schildern sogar einige Orte aus meiner Gegend vertreten waren.  Wer sich ein wenig auf die Suche macht findet einige Highlights, allerdings braucht man dazu auch etwas Zeit.

 

Nachts hatten wir das unglaubliche Glück, das der Feueralarm (es war ein Fehlalarm) im Zimmer meiner Reisepartner losging, was uns eine sehr kurze Nacht bescherte.

 

Watson Lake – Skagway (Alaska)

 

Dank der etwas kurzen Nacht gingen wir am nächsten Morgen noch gewaltig verpennt auf die Reise. Über den Alaska Highway ging es gen Nordwesten, um dann abends Skagway zu erreichen.

 

Die Reise führte uns durch hauptsächlich borealen Nadelwald, der das Landschaftsbild prägte. Bei Carcross (mehr als eine Straßenkreuzung war das Nest wirklich nicht), durchquerten wir die kleinste Wüste der Welt, bevor wir nahe des White Pass in dick verschneites Gelände kamen.

 

Nachdem wir die Einreiseformalitäten an der amerikanischen Grenze absolviert hatten, ging es hinunter nach Skagway. Direkt am Eingang der Stadt, bogen wir in Richtung Dyea ab. Einer ehemaligen Goldgräberstadt, westlich von Skagway, die in sämtlichen Reiseführern erwähnt wird. Die Straße dorthin war jedenfalls sehr abenteuerlich, und bot einen schönen Blick auf Skagway. Die „Ghosttown“ hingegen war ein absoluter Flop. Außer in paar verfaulten Brettern am Boden steht dort nichts mehr, was sehenswert wäre.

 

Also ab ins Auto und es ging zurück nach Skagway, wo wir unsere gemütliche Bed & Breakfast Pension „Mile-Zero“ aufsuchten. Herzlich wurden wir von Tara Mallory, der Besitzerin empfangen. Dort lernte ich auch meinen besten Freund für die nächsten 2 Tage kennen. Einen HDTV Fernseher mit Festplattenrekorder und 250 Kanälen. Zumal gerade die NBA Playoffs liefen, eine absolute Bereicherung meines Urlaubs.

 

Am nächsten Morgen besichtigten wir dann den Ort Skagway.

 

Skagway selbst ist ein kleines verschlafenes Nest, welches hauptsächlich von den großen Kreuzfahrtschiffen lebt, die hier jeden Tag anlegen. Sehenswert ist in jedem Fall die Hauptstraße, welche aus zahlreichen restaurierten Häusern aus den Anfangszeiten der Stadt besteht.

 

In den meisten Häusern sind Souvenirshops, in denen man jede Menge Nippes einkaufen kann.

 

Toll essen kann man in der Fish Company (günstig und gut) oder im Stowaway Cafe (etwas teurer, aber absolute TOP Küche).

 

Nachmittags fuhren wir zum örtlichen Goldgräber Friedhof, auf dem Soapy Smith und Frank Reid, zwei Opfer der wilden Stadtgeschichte begraben liegen. Hinter dem Friedhof befindet sich noch ein schöner Wasserfall (Lower Reid Falls), der in jedem Fall sehenswert ist.

 

Skagway (Alaska) – Prince Rupert

 

Morgens um 4 Uhr ging es los, wir packten unsere Sachen und verließen das gemütliche Mile Zero um die 6 Uhr Fähre nach Prince Rupert zu erwischen.

 

Gegen 5.30 Uhr begann das Boarding der Matanuska. Nachdem unser Auto im Bauch der Fähre verstaut war, bezogen wir unsere Kabine, die für die nächsten 2 Nächte unser Quartier sein sollte. Punkt 6 verabschiedeten wir uns mit einem lauten Hupen des Schiffshorns von Skagway. Begleitet von einem kleinen Seehund verließen wir die Bucht in Richtung Haines. Der Tag begann zwar mit klarem Himmel, doch es war sehr kühl, was uns jedoch nicht davon abhielt auf dem Sonnendeck Position zu beziehen.

 

Kurz nach der Fahrt aus dem Hafen, sah ich ihn: meinen ersten Wal. Leider hatte ich keine Kamera zur Hand und der Wal tauchte auch nicht mehr auf. Aber : that’s life !

 

Durch die tolle bergige Landschaft ging es nach Haines, wo wir kurz be- und entluden, um dann weiter Richtung Juneau zu fahren. Auf der Fahrt durch hin durchfuhren wir absolut faszinierende Landschaften, die ich zu den schönsten zähle die ich je auf dieser Welt gesehen hab (und ich hab einige gesehen). Auf der Fahrt begegneten wir noch mehreren Walen und Tümmlern, die unser Boot ein Stück begleiteten, um dann mit erhobener Schwanzflosse wieder abzutauchen.

 

Von Juneau ging es weiter nach Sitka. Auf dem Weg dorthin begegneten wir einer Herde Orcas, die mit imposanten Sprüngen das Schiff in den Sonnenuntergang begleiteten.

 

Die Nacht selbst war sehr ruhig, jedoch war ich schon um 5 wieder auf den Beinen, da ich noch etwas von der Landschaft sehen wollte. Dank des frühen Sonnenaufgangs war es schon hell und ich hatte so ca. 1-2 Stunden völlig allein auf dem Sonnendeck des Schiffs.

 

Nach dem Frühstück gelangten wir nach Petersburg, wo der meines Erachtens nach schönste Teil der Passage lag. Durch eine schmale Fahrrinne manövrierten wir zwischen zahlreichen Inseln hindurch. Am Ufer zeigten sich Rehe und Bären, so wie jede Menge Fischer die im Vorbeifahren ihren Fang offerierten.

Nächste Station war Wrangell. Dort sah man bei einem kurzen Zwischenstopp jede Menge Weißkopfseeadler in den Baumwipfeln sitzen, die ich jedoch wg. begrenzter Kameramöglichkeiten nur aus der Ferne ablichten konnte.

 

Weiter ging es in Richtung Sonnenuntergang. Wir sahen nochmals einige Wale, bevor die Nacht hereinbrach.

 

Am nächsten Morgen erreichten wir Prince Rupert, wo wir die Fähre wieder verließen.

 

Noch ein Tipp: die Latte Macciato auf der Fähre, die es für 3 Dollar aus dem Automaten gibt ist absolut lecker, erspart euch also die Kaffeeplörre die dort regulär serviert wird.

 

Prince Rupert – New Hazelton

 

Angekommen in Prince Rupert, machten wir uns gleich weiter auf den Weg in Richtung New Hazelton. Auf dem Weg begegnete uns gleich mal wieder ein schöner Schwarzbär. In New Hazelton angekommen, fuhren wir direkt nach K’san Village. Einem Indianerdorf, in welchem neben einem Museum, die traditionellen Künste und Riten der Ureinwohner weiter gefördert und bewahrt werden. Umrahmt von wunderschönen Wiesen voller gelber Butterblumen, bot das „Dorf“ einen schönen Anblick und wir machten einen kleinen Rundgang, bevor wir wieder in Richtung Hazelton aufbrachen. Liebhabern von alten Autos aus den 50er – 70er Jahren empfehle ich mal eine Rundfahrt durch die Seitenstraßen. Dort stehen teilweise topgepflegte Fahrzeuge, bei denen das Sammlerherz höher schlägt.

 

Einen kleinen Zwischenstopp machten wir noch an einer Stahlbrücke, die über einen tiefen Canyon führt. Den Namen hab ich leider vergessen, aber man kommt auf jeden Fall dorthin wenn man nach K’san Village fährt.

 

New Hazelton - Prince George  –  100 Mile House

 

Heute ging es aus dem etwas weniger schönen Prince George in Richtung 100 Mile House.

Geplant war dabei ein Abstecher in die Living History Town „Barkerville“. Allein die Fahrt dorthin war landschaftlich sehr schön und abwechslungsreich. Barkerville selbst liegt am nördlichen Ende des Well Gray Parks. Man parkt vor der Stadt und gelangt über das Besucherzentrum in eine andere Welt. Hinter dem Zentrum geht es um über 100 Jahre zurück in der Zeit. Über 100 restaurierte Gebäude aus dem Ende des 19. Jahrhunderts bilden die Stadt. Die meisten Gebäude sind begehbar und teilweise auch bewirtschaftet. Die Menschen leben und arbeiten hier wie in der damaligen Zeit, egal ob Kleidung oder Möblierung, man ist aufs Detail bedacht. Selbst ein China Town, hatte die damalige Stadt schon (das chinesische Restaurant empfehle ich den Liebhabern der asiatischen Küche übrigens wärmstens).

 

Es empfiehlt sich mindestens 2-3 Stunden einzuplanen, da verteilt über den Tag immer wieder verschiedene Shows und Führungen stattfinden.

 

Sehr putzig sind übrigens die Erdhörnchen, die überall herumwuseln. Da sie in der Stadt leben, sind sie sehr zutraulich, es ist also damit zu rechnen, dass man gelegentlich von einem Erdhörnchen angesprungen und angebettelt wird.

 

Auf der Rückfahrt in Richtung 100 Mile House begegneten wir noch mal einem jungen Moose. Den Abend verbrachten wir in 100 Mile House, wobei ich die Stadt selbst weniger interessant fand.

 

100 Mile House –  Wells Gray  - 100 Mile House

 

Die nächste Etappe war unser letzter großer Trip in die Wildnis. Über Clearwater ging es in Richtung Wells Gray Park. Auf den ersten Metern im Park kamen wir an einer wunderschönen Butterblumenwiese vorbei auf der ca. 5 m von der Straße entfernt 2 Schwarzbären standen und Blumen kauten. Die Bären ließen sich durch uns nicht stören und stellten sich immer wieder schön in Pose, so dass wir einige tolle Aufnahmen machen konnten. Selbst durch mehrere Touristen die nach uns anhielten ließen sie sich nicht aus der Ruhe bringen.

 

An dieser Stelle nahmen wir eine deutsche Tramperin auf, die wir weiter mit in den Park nahmen.

 

Erster Stopp waren die Spahats Falls. Obwohl sie nur halb so hoch sind wie die Helmckenfalls, boten sie einen atemberaubenden Anblick. Weiter ging es zum Green Mountain. Die Zufahrtsstraße war endlich mal eine Herausforderung für unseren Jeep und da es in der Nacht etwas geregnet hatte, hatte mit dem matschigen Boden jede Menge Spass. (meine Mitfahrer waren glaub ich weniger begeistert)

 

Nächste Ziel waren die Helmckenfalls. Die Fälle waren gottseidank absolut menschenleer, so konnten wir neben dem großartigen Anblick auch noch die wunderbare Ruhe genießen.

 

Zurück Richtung Parkausgang begegneten wir nochmals einem Schwarzbär, der sich über irgendwelche Beeren am Straßenrand hermachte. Auch dieser erwies sich wieder als sehr fotogen.

 

Bei Clearwater verabschiedeten wir uns von unserer heutigen Mitfahrerin und fuhren zurück nach 100 Mile House.

 

100 Mile House –  Whistler – Vancouver

 

Der letzte Tag “on the road” war leider angebrochen. Die Route führte uns entlang des Cariboo Highways und dann auf den Sea-to-Sky Highway über Lilloet in Richtung Whistler.

 

Der Highway war leider größtenteils einspurig, was Überholmanöver fast unmöglich machte. Zumal dieser Highway bei Wohnmobilfahrern sehr beliebt ist, ging es eben manchmal sehr sehr langsam voran.

 

Kurz vor Lilloet sahen wir noch mal einen Schwarzbären an einem Berghang stehen. Dies war dann auch der letzte auf unserer Reise.

 

Die Landschaft war auf dieser Etappe sehr abwechslungsreich, an manchen Stellen sah es aus wie im Grand Canyon. Für den Mittag machten wir Stopp in Whistler, wo gerade wg. der Winterspiele 2010 sehr viel gebaut wird. Der Ort selber sieht aus wie ein Ort vom Architektenbrett direkt durchgeplant und umgesetzt. Naja, jedem so wie er es mag, mein Ding war es jedenfalls nicht!

 

Nach einem kurzen Stopp ging es weiter nach Nord Vancouver, dem letzten Ziel unserer Reise.Die kommenden Tage verbrachten wir in Vancouver. Ich hauptsächlich in Malls und Shops , bzw. auch jeden Tag auf Grandville Island. Am letzten Tag besuchten wir noch das Vancouver Aquarium im Stanley Park. Als Taucher sehe ich die Tiere lieber im Freien, war aber so gesehen schon interessant.

 

Nach 22 Tagen endete unser Trip durch Kanada/Alaska dann leider auch schon wieder.

 

Mein Fazit: es war wie immer ein absoluter Traum 20 Tage Sonne, viele Tiere, viel Natur und jede Menge nette Menschen getroffen. Es waren sehr viele neue Eindrücke dabei und manche Orte werde ich sicher wieder besuchen, da ich dort noch etwas länger verweilen will.