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Kapstadt - 20 Jahre später

Warum 20 Jahre später? Tatsächlich war ich mit meinem Reisepartner fast auf den Tag genau 20 Jahre zuvor das letzte Mal in Südafrika. Damals, kurz nach dem Ende der Apartheid, war die Rassentrennung noch mehr als deutlich sichtbar. Umso gespannter war ich zu sehen, was sich in den letzten 20 Jahren geändert hatte.

Davor erwartete uns allerdings erst mal ein abenteuerlicher Flug. Da Direktflüge relativ teuer waren hatten wir die mehr oder weniger tolle Idee, mit Zwischenstopp über Zürich und Johannesburg zu fliegen. Preislich kam das ca. 300 € günstiger.

 

Schon der Anflug auf Zürich war witterungsbedingt und der kleinen Maschine geschuldet, relativ holprig. Kaum in Zürich gelandet, erhielten wir dann die Info: die Maschine nach Johannesburg steckt noch in Prag fest. Verschiebung um ca. 2 Stunden. Da mein Reisepartner praktischerweise Senator Status hat, war dies halb so wild, da wir uns so die Zeit in der Lounge vertreiben konnten. Von dort aus konnten wir bei einem Gläschen Wein aus dem Fenster beobachten, wie das Wetter immer bescheidener (Schneesturm) wurde. Knapp 30 Räumfahrzeuge waren zwischendurch immer wieder bemüht die Pisten freizuräumen, doch unser Flug wurde auf der Anzeigetafel stetig nach hinten weitergereicht. Bis wir dann tatsächlich der letzte Flug auf der Tafel waren. Nur noch mit Sonder-genehmigung starteten wir dann endlich um 0:30 Uhr in Richtung Süden. Leider war der Zeitplan bereits zu dem Zeitpunkt völlig für den Allerwertesten. Unseren Anschlussflug hatten wir wie man denken kann deutlich verpasst. Und obwohl wirklich jede 45 Minuten eine Maschine in Richtung Kapstadt startet, mussten wir 4 weitere Stunden warten, bis aufgrund des Weihnachtsreiseverkehrs ein Platz auf einer der Maschinen frei war. Ziemlich gerädert kamen wir dann nach fast 22 Stunden Anreise im Hotel an. Das nächste Mal werde ich definitiv die Direktflugvariante nehmen.  

 

Den ersten Tag machten wir uns gleich auf den Weg runter zu Cape Point und zum Cape of Good Hope. Über Muizenberg und mit einem Stopp in Simons Town (mit seiner Pinguinkolonie) erreichten wir den Nationalpark schon zu relativ früher Stunde. Die Anzahl an Touristen war noch überschaubar und so gelangten wir relativ zügig zum Cape Point, wo wir bereits von einer Horde Affen erwartet wurden. Die Tiere sind mittlerweile schon sehr an Touristen gewöhnt und es empfiehlt sich Nahrungsmittel versteckt am Körper oder in der Tasche zu tragen.

 

Unser Plan sah einen gemütlichen Spaziergang zum (alten) unteren Leuchtturm vor. Als wir jedoch bereits auf dem Weg nach oben zum neuen Leuchtturm von heftigen Windböen durchgerüttelt wurden, ahnten wir schon, dass wir möglicherweise umdisponieren müssen. So kam es dann auch. Wenn es meinen elfengleichen Körper nach einem heftigen Windstoß mal kurz zwei Meter nach hinten befördert, dann ist es definitiv die richtige Entscheidung die Wanderung über einen schmalen Grat mit steil abfallenden Klippen nicht zu wagen.

 

Stattdessen ging es hinunter zum Cape of God Hope, wo wir versuchten das obligatorische Foto mit dem Schild möglichst ohne Touristen hinzubekommen. Erstaunlicherweise war nicht so viel los wie erwartet und nach knapp 5 Minuten Wartezeit hatten wir unseren Schnappschuss. Im Nationalpark selbst haben wir schon an diesem Tag so ziemlich alles gesehen was es dort so an Tieren gibt: Strauß, Zebra, Springbock usw.. Lediglich die kleinen Zebras versteckten sich erfolgreich.

 

Auf dem Rückweg legten wir noch in Hout Bay einen Stopp ein und buchten einen Ausflug zur Seelöweninsel, die sich ca. 20 Minuten vor der Bucht befindet. Der schon am Kap sehr starke Wind, gestaltete die Fahrt dorthin zum wilden Ritt, was sich auch in dem Magen des ein oder anderen Mitfahrers bemerkbar machte.

Am nächsten Tag haben wir uns auf den Weg nach Langebaan gemacht. Das dortige Mekka für Kitesurfer. Dort sind wir in den Nationalpark rund um die Lagune von Langebaan. Für mich ein ganz klarer Geheimtipp, den der typische Kapstadtreisende nicht unbedingt auf dem Radar hat. Hier trifft man eher Einheimische als Touristen, was nicht unbedingt ein Nachteil ist.

 

Der dritte Tag sollte zum echten „Hailight“ des Urlaubs werden. So etwa gegen 5:30 (ja, leider morgens) ging es in das ca. zweieinhalb Stunden entfernte Kleinbai. Von dort aus startete unsere Bootstour zum Cage Diving. Wobei Snorkeling statt Diving das Ganze im Kern eher trifft. In kleinen Gruppen ging es in den Käfig der seitlich am Boot befestigt war. Der Chummaster brauchte nicht sonderlich lange um mit seinem Gemisch aus Fischabfällen und Blut die ersten Haie anzulocken. Leider fehlte so ein richtig großes Exemplar, aber damit muss man rechnen wenn man außerhalb der Saison hingeht. So sehr uns das Schnorcheln mit den Haien beeindruckte, umso mehr waren die die Crew und wir an Bord angefressen, als wir ein paar Meter einige Fischer beobachteten, die einige dieser schönen Tiere fingen und noch an Bord mit einer Machete zerhackten. Gedanklich war ich sehr nahe bei einem der Crewmitglieder der neben mir stand und meinte: „If only i had a gun with me and could shoot at these motherf…..“.

 

Am vierten Tag unserer Reise haben wir uns auf die Weinroute gemacht. Mein Kumpel, der eher Biertrinker ist, hatte sich freundlicherweise bereiterklärt zu fahren. Wir hatten den Besuch von 4 wirklich guten Weingütern eingeplant. Buitenverwachting, La Motte, Thelema und Rust En Vrede. Pro Verkostung gab es um die 5-6 Weine. Selbst mit viel fettiger Grundlage im Magen, war das Ganze bei 28 Grad Außentemperatur schon eine ordentliche Herausforderung sich so viel Wein in die Birne zu knallen. Meine Favoriten waren eindeutig La Motte und Rust En Vrede. Wenn man übrigens nett ist, darf man auch mal in die jeweiligen Weinkeller reinschauen.

Am fünften Tag haben wir uns dann einen Hubschrauberrundflug über den Tafelberg, via Simons Town und Hout Bay gegönnt. Bei strahlendem Sonnenschein und endlich etwas weniger Wind ein absolut geiles Erlebnis. Lediglich einer der Mitreisenden trübte etwas die Stimmung, da er durch sein ständiges Imponiergehabe, welches er seiner wohl frischen weiblichen Bekanntschaft gegenüber an den Tag legte, sowohl dem Piloten als auch uns tierisch auf den Zeiger ging. Ich kann für die Frau nur hoffen, dass sie den Typen schnell in den Wind schießt.

 

Den sechsten und leider letzten Tag sind wir dann auf den Tafelberg rauf. Ich hasse ja nichts mehr als Gondel fahren, besonders wenn es darunter steil bergab geht. Für mich also genau das Richtige. Oben war es sensationell schön. Eine 2 stündige Wanderung über das Plateau entschädigte für die innerliche Panik, die ich beim Gondelfahren hatte.  Nachmittags sind wir spontan noch mal ans Kap vor um eine weitere Wanderung zu machen. Wir folgten dem Shipwreck Trail, wobei da leider mittlerweile fast nichts mehr liegt was an ein Schiff erinnert. Vor 20 Jahren lagen da noch ein großer Frachter und ein Trawler, die wohl mittlerweile dem Meer zum Opfer fielen. Dafür bekamen wir endlich noch unsere Kapzebras zu sehen, die ohne große Scheu ein paar Meter von uns Gras standen.

 

Leider war unser Kurzurlaub dann auch schon wieder zu Ende.

 

Mein Fazit: Kapstadt und Umgebung sind nach wie vor eines der schönsten Reiseziele, die ich besucht habe. In den letzten 20 Jahren hat sich einiges zum positiven entwickelt. Die gewachsene schwarze Mittelschicht hat dem Stadtbild sehr gut getan. In vielen Gegenden sind die düsteren Gestalten und Bettler verschwunden, die nach Einbruch der Dunkelheit oft das Straßenbild prägten. Trotz Korruption und Wasserknappheit ist für mich zumindest die Region am Kap auf einem guten Weg. Essenstechnisch war die afrikanische Küche (Tierwelt) für mich ein absolutes Highlight. Von Springbok über Kudu bis hin zum Warzenschwein habe ich fast alles probiert, was die Restaurants so servierten. Da Wasser knapp war und Wein schon fast unverschämt günstig, habe ich mich insbesondere abends eher alkoholisch ernährt und einige gute südafrikanische Tropfen für mich entdeckt.