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Zugspitze - Der Berg ruft

Südwestlich von Garmisch-Partenkirchen liegt der mit 2962 Metern höchste Berg Deutschlands, die Zugspitze. Mitten über den Gipfel verläuft die Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Auf den Gipfel gelangt man über fünf Routen, die unterschiedlich lang, hoch und schwer sind.

 

In meinem Kopf geisterte schon seit einiger Zeit die fixe Idee, einmal im Leben auf den höchsten Berg Deutschlands zu kraxeln. Als ich mich dann das erste Mal ernsthaft damit auseinandersetzte, stellte ich fest: es klingt zwar anstrengend jedoch halbwegs einfach, doch es birgt einige Tücken. Meine höchste selbst geplante Bergwanderung war bis dato das Rubihorn, welches ein klein wenig flacher ist. Schon dort hatte sich die Schwierigkeitsstufe „mittel“ als große Herausforderung für manchen Begleiter bzw. Begleiterin erwiesen.

 

Wichtig an der Zugspitze, das Wetter muss mitspielen. Wir hatten uns von daher das erste Augustwochenende rausgesucht, da wir die Hoffnung hegten, dass das Wetter im Hochsommer halbwegs berechenbar und stabil ist.

Als Aufstiegsroute hatten wir die Tour von der österreichischen Seite gewählt, die von Ehrwald über die Ehrwalder Alm, das Gatterl und die Knorrhütte zum Gipfel führt. Die Gatterltour ist insgesamt 14 km lang und führt über 2100 Höhenmeter.  Der Anfang ist relativ einfach, in der Mitte wird es etwas „sportlicher“ und am Ende geht es dann in die Kategorie schwer über.

 

Der Plan stand, das große Wochenende rückte langsam näher. Die Wettervorhersage, die ich ca. 10 Tage davor täglich beobachtete, schwankte zwischen leichter Regen, Starkregen und Gewitter, ohne das wirklich Besserung in Sicht war. Mittwoch kurz nach dem Frühstück, der Blick auf die Gipfelwebcam offenbarte ca. 40 cm Neuschnee. Auch für die kommende Nacht war nochmal Schneefall im Gipfelbereich angesagt. Gehen, absagen? Ach was das bisschen Schnee, zur Sicherheit hatten wir uns in der Woche davor schon entschieden die Tour mit einem lokalen Guide zu machen. Donnerstagabend die Info von der Alpinschule: die Tour ist machbar.

Am Freitag ging es also Richtung Ehrwald, wo wir gegen Nachmittag ankamen und einen ersten Blick „live“ auf das Bergmassiv bekamen. In dem Moment wurde uns glaube ich zum ersten Mal klar, wie hoch das Ganze eigentlich wirklich ist. Nach einem zünftigen Abendessen ging es früh ins Bett, wir mussten ja früh raus und hatten noch paar Dinge vorzubereiten.

 

Am nächsten Morgen waren wir dann schon zeitig auf den Beinen, bereiteten noch unsere isotonischen Getränke vor, frühstückten nochmal gut und trafen, jeder für sich, individuelle Vorbereitungen, die den Anstieg erleichtern sollten.

 

In meinem Fall war die optimale Versorgung der Füße und Beine ausschlaggebend. Die typischen Scheuerstellen klebte ich mit Kinesio-Tape ab, um Blasen zu vermeiden. Da ich mir 2 Tage davor noch eine kleine Verhärtung in der Wade zugezogen hatte, gab es noch Kompressions-Wadenwärmer über beide Unterschenkel. Als letzte Lage folgten dann meine guten, alten Bundeswehr-Baumwollsocken. Im Nachhinein kann ich sagen, jede der Maßnahmen hat sich am Ende bewährt.

 

Dann ging es ab in Richtung Ehrwalder Alm, wo wir auch unsere Bergführerin Angelika und den Rest der Gruppe trafen. Der erste Teil der Wanderung führte über die Pestkapelle (1617 m) und Hochfeldernalm (1732 m). Weiterging es auf dem Max-Klotz-Steig zum Joch „Am Brand“ (2120 m) und leicht zum Feldernjöchl (2041 m). Das Wetter spielte mit, das Panorama war überwältigend und die Kondition passte auch. Erstaunlicherweise ging ich sogar einen großen Teil der Wanderung vorn weg.  Die erste kleine „Herausforderung“ kam in Form des versicherten Steig zum „Gatterl“ (2024 m). Hier galt es eine kleine Kletterstelle zu überwinden, die ich aber eher unspektakulär fand.

 

Nun lag schon der Gipfelbereich in Sicht, wobei der wirklich heftige Teil erst kommen sollte. Über den Plattsteig ging es zur Knorrhütte, wo wir erstmal eine kleine Pause einlegten und uns mit Flüssigkeit und einer kleinen Brotzeit versorgten.

 

Nach knapp 40 Minuten hieß es dann weiter Richtung Gipfel. Über Geröllfelder (inkl. Schneedecke) ging es in Richtung Sonnalpin (2576 m). Bis dahin war auch wenn es anstrengend war noch alles gut, wobei ich schon merkte, dass ich als großer, kräftiger Kerl mich auf diesem Untergrund schwerer tat, als der kleine, leichte Rest der Gruppe.

 

Am Sonnalpin trennte sich dann die Gruppe, ein Teil nahm die letzten 300 m die Seilbahn zum Gipfel, da die persönlichen Reserven ausgeschöpft waren. Der Rest diskutierte derweil die Aktuelle Lage, da über Handy eine Gewitterwarnung bei unserer Bergführerin eingegangen war. Die Ansage war: von hier aus ca. noch eine Stunde zum Gipfel, wenn wir ohne Pause zügig durchlaufen kommen wir vielleicht noch vor dem Wettersturz oben an. Gesagt getan, es ging die Geröllhalde hoch in Richtung Schneefernhaus. Hier machte sich dann leider der Größen- und Staturunterschied noch deutlicher bemerkbar. Bei jedem Schritt den ich machte, rutschte ich wieder einen halben Schritt zurück. Ca. 20 Höhenmeter unter dem Schneefernhaus entschied ich mich dann schweren Herzens, wieder abzusteigen Richtung Sonnalpin. Von der Kondition her wäre es noch gegangen, allerdings konnte ich das Tempo der restlichen Gruppe nicht ganz halten und die Aussicht, nachher bei einem Gewitter in einem mit Eisentritten und Stahlseilen versicherten Steig im Gipfelgrad festzuhängen, war so gar nicht nach meinem Geschmack.

 

Also wieder zurück und die letzten 200 Höhenmeter „gecheatet“. An der Bergstation angekommen, konnte man sehen, dass sich der Weg zum Gipfel heute ebenfalls nicht einfach gestalten würde. Überall war Schnee und Eis in der Aufstiegsrinne. Ein paar Kandidaten, die aus dem Tal mit der Gondel gekommen waren, versuchten es in Turnschuhen und scheiterten grandios schon im Einstiegsbereich. Überhaupt waren es dann fast nur Leute mit Gurtzeug die sich in den Gipfelbereich wagten, da es dort ja auch mal kurz paar hundert Meter links und rechts senkrecht nach unten geht.

 

Ich entschied mich, mir den Einstieg mal anzuschauen um eine bessere Einschätzung der Lage zu bekommen. Da ich bis aufs Gurtzeug sonst bergtauglich ausgerüstet war, fiel die Entscheidung relativ schnell und ich machte mich auf den Weg zum Gipfelkreuz. Es war zwar bisschen eine Balanceakt und auch an manchen Stellen rutschig, alles in allem war es aber dann doch machbar. Unsere Bergführerin, die etwas später am Gipfle ankam, fand meine Entscheidung zwar nicht so toll, nahm es mir aber wohl nicht übel, da ich ja selbst für mich verantwortlich bin.

 

Nach einem Gruppenfoto an der Bergstation ging es dann auch runter ins Tal. Das angekündigte Gewitter ist dann doch in ein Nachbartal gezogen, wo es sich ordentlich austobte, wie man vom Gipfel aus beobachten konnte.

 

Im Tal angekommen zischten wir erstmal 2 Weizen und futterten ordentlich Kaiserschmarrn. Was man wirklich nicht unterschätzen sollte ist der enorme Wasserverbrauch des Körpers bei einer solchen Tour. Ich habe wirklich über den Tag verteilt 5 Liter Wasser getrunken (+ abends die 2 Bier) und musste nur einmal auf die Toilette. Trotz 800 mg Magnesium gab es in der Nacht wegen dem unausgeglichenen Elekrtolytehaushalt die Oberschenkelkrämpfe meines Lebens. Ein Hoch auf die Blackroll, die neben meinem Bett lag.

 

In diesem Jahr wollen wir die Zugspitze vielleicht nochmal durch das Reintal besteigen, allerding auf zwei Etappen verteilt, da die Strecke mit 21 km und 2400 Höhenmeter doch etwas länger und konditionell fordernder ist.