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Atlanta - Burger, Bier und Basketball

Als inoffizieller Reiseleiter der Basketball.de - Reisegruppe ging nach Georgia in die neue Wahlheimat von Nationalspieler Dennis Schröder. Atlanta begrüßte uns mit frostigen Minusgraden und jeder Menge Sonnenschein. Nachdem wir alle unser Gepäck abgeholt hatten, gingen wir zum vereinbarten Treffpunkt, wo wir von unserem Shuttle-Bus eingesammelt werden sollten. Leider tauchte dieser nicht auf und wir zweifelten nach knapp 45 Minuten Wartezeit schon daran, ob wir am richtigen Terminal standen. Ein Anruf beim Bus-Unternehmen brachte die Erkenntnis, dass der Fahrer wohl nicht wirklich wusste, wo er uns abholen sollte oder es schlicht und einfach vergessen hatte. So ganz im Detail konnte oder wollte es uns die nette Dame am Telefon nicht erklären, was da denn schief gelaufen war.
Nach knapp einer Stunde Wartezeit kam dann schließlich unser Van, der uns ins Holiday Inn Downtown brachte. Dort wartete bereits unser lokaler Ansprechpartner Steve, der uns nach dem Einchecken mit den heiß ersehnten Tickets für die Spiele und Informationen rund um unser Programm und Atlanta versorgte. Trotz des langen Fluges ließen wir es uns nicht nehmen und brachen sogleich Richtung CNN-Center auf, um den ersten Abend und unsere Ankunft stilecht mit einem leckeren Burger (dazu gab es anstatt Basketball ausnahmsweise das NFL-Spiel San Francisco 49ers gegen die Seattle Seahawks) in einer Sportsbar zu feiern.

Nach einem reichhaltigen Frühstück, bestehend aus Muffins, Donuts und jeder Menge Kaffee, ging es am nächsten Morgen endlich los mit dem offiziellen Programm. Unser Gastgeber Steve brachte uns zur Georgia State University (GSU). Dort angekommen wurden wir von Nate Summers, dem Director of Basketball Operations der Panthers, in Empfang genommen. Er brachte uns in die „heiligen Hallen“ der GSU und gab uns einige erste interessante Einblicke in das Trainingsprogramm der Universität sowie über die aktuelle Saison. Wenige Minuten später war es dann soweit: Das Team von Head Coach Ron Hunter kam aus der Kabine und begrüßte jeden einzelnen von uns mit Handschlag. Während Ron Hunter mit dem Aufwärmtraining begann, erzählte uns Assistant Coach Everick Sullivan von seiner Zeit in Europa (MVP und Meister 1998 der zypriotischen Liga) und erläuterte uns ein wenig die Abläufe der kommenden eineinhalb Stunden.

 

Zu Beginn des Trainings stand die Vorbereitung auf den nächsten Gegner auf dem Plan. Was zuvor in der Videoanalyse studiert worden war, wurde in den kommenden 20 Minuten auf dem Spielfeld Schritt für Schritt durchexerziert. Dabei ging es die meiste Zeit darum, eine defensive Strategie zu entwickeln, die besonders die Wege durch die Zonenmitte erschweren sollte. Nach einigen Wurfübungen ging es schließlich an die Offensiv- bzw. Defensiv-Drills, wobei es sowohl für die Offensive als auch für die Defensive einen eigenen Assistant Coach gab. Die meisten von uns, mich eingeschlossen, faszinierte dabei besonders die enorme Athletik und Schnelligkeit der Spieler. Den Abschluss der Trainingseinheit bildete ein kurzes Spiel, bei dem die Starting Five gegen die Reservisten antraten. Bevor es für uns an der Zeit war, in Richtung Philips Arena aufzubrechen, hatte Head Coach Ron Hunter noch ein „Abschiedsgeschenk“ für uns. Er verdonnerte seinen knapp 1,80 Meter großen Freshman-Guard Isaiah Dennis, nach einem missglückten Dunking-Versuch, nochmals für uns einen besonderen Dunk vorzuführen. Mit einem krachenden Tomahawk-Dunk und erneutem Shake-Hands verabschiedeten sich die GSU Panthers bei uns. Für sie ging es in der Sun Belt-Conference auf Auswärts-Tour, auf der sie beide Spiele gewannen und mit elf Siegen in Folge im oberen Drittel der Tabelle stehen. Auf unserem Weg zur Philips Arena fragten wir unseren Guide Steve noch nach den Erfolgschancen der durchaus talentierten College-Spieler auf einen Profivertrag. Umso erstaunter waren wir über die Aussage, dass zumindest in den USA wohl kaum einer der GSU-Spieler mit Basketball seinen Lebensunterhalt bestreiten wird. (Nachtrag: Ron Hunter Jr. wurde im kommenden Draft doch von den Boston Celtics gedraftet)

 

Einer, der dies bereits geschafft hat, war der nächste offizielle Programmpunkt auf unserer Reise. An der Philips Arena angekommen, erhielten wir „Pre-Game“-Armbänder, die uns dazu berechtigten, direkt an den Court zu gehen, um den Spielern beim Aufwärmen zuzusehen. Als erster kam Mike Scott aus der Kabine. Kurz darauf folgten Jeff Teague, Pero Antic, Louis Williams und DeMarre Carroll. Auf der Seite der Miami Heat war neben James Jones nur Chris Anderson mit Juwan Howard auf dem Court. Dann kam auch Dennis Schroeder endlich. Nach einem kurzen Plausch mit einem Assistenten holte ihn eine der Hawks-Angestellten, die für die Betreuung der Gruppen zuständig war, dann zu uns. Wir hatten die Möglichkeit, ihm kurz ein paar Fragen zu stellen, und unsere Betreuerin machte dann auch noch ein Gruppenbild mit Dennis.

 

Trotz der Begeisterung über das Meet & Greet mit Dennis herrschte bei allen Beteiligten der Tenor, dass das Treffen etwas arg kurz und förmlich gewesen ist. Ein Meet & Greet nach dem Spiel, mit etwas weniger Zeitdruck und ein paar mehr Autogrammen für jeden der Mitreisenden, wäre wohl im Interesse aller gewesen. Hier hätte das Hawks-Management gern ein wenig weitsichtiger planen dürfen, wenn schon eine ganze Reisegruppe extra wegen Dennis Schroeder anreist.

 

Nach dem Treffen ging es für die meisten von uns erst einmal in den Hawks Fan-Shop, wo wir uns noch das ein oder andere Erinnerungsstück (Schroeder-Jerseys und Hawks-Shirts) an diesen Trip kauften.

Dann ging es auch schon ab auf die Tribüne, um dem Warmup der Miami Heat zuzuschauen. Dass es bei so einem Warmup mitunter ziemlich locker zugehen kann, konnte man insbesondere an LeBron James sehen. Wenn er nicht gerade zur Musik in der Halle groovte, ließ er sich zu krachenden Dunkings ganz zur Freude der bereits anwesenden Zuschauer hinreißen. Das absolute Highlight während des Aufwärmprogramms waren jedoch seine drei von fünf versenkten Würfe von der Mittellinie, die vom Publikum lautstark bejubelt wurden. Das Spiel selbst war dank stark aufspielender Hawks durchweg spannend. Im Gegensatz zu den zahlreichen einheimischen Fans, die gefühlt die Hälfte der Partie mit Essen holen verbrachten, verfolgten wir das Spiel gebannt bis zum Schluss. Zum Leidwesen einiger mitreisender Heat-Anhänger gewannen die Atlanta Hawks das Spiel mit 121:114. Den restlichen Abend verbrachten wir in einem nahegelegenen Hooters mit hübschen Bedienungen, leckeren Chicken-Wings und der Partie Los Angeles Lakers gegen die Chicago Bulls.

 

Der nächste Tag war zur freien Verfügung, wobei es die meisten von uns ins Georgia Aquarium zog. Nach dem Aquariumbesuch traf man sich fast geschlossen in der World of Coca-Cola wieder. Zugegeben, das Museum selbst haut einen nicht wirklich aus den Socken, die Probe aller von Coca-Cola vertriebenen Getränkesorten am Ende der Tour hingegen lohnte sich wirklich. Persönlich gewann ich für mich die Erkenntnisse, dass die Nordamerikaner es pappsüß lieben, die Asiaten alles in allem die leckersten Geschmackssorten haben (Fanta-Melone) und mir Sunfill aus Dschibuti eindeutig am besten schmeckt. Die wohl größte Erkenntnis war jedoch die Tatsache, dass mein Magen nach ca.  getesteten 60 Sorten Zuckerwasser noch vor meiner Blase zu rebellieren anfing und ich die kommenden Tage kein Bedürfnis mehr nach Limonade hatte. Den Rest des Urlaubs hielt ich mich daher konsequent an Wasser, Kaffee und natürlich leckeren Gerstensaft.

 

Am Mittwoch war wieder Basketball angesagt. Um 11 Uhr wurden wir am Hotel abgeholt und die Fahrt ging gen Osten in Richtung Athens. Bevor wir in die Studentenstadt fuhren, hatten wir noch dreieinhalb Stunden Zeit, in einer großen Outlet-Mall in einen kollektiven Kaufrausch zu verfallen. Der Kofferraum unseres Vans platzte am Ende des exzessiven Shoppingevents aus allen Nähten. In Athens angekommen, deckten wir uns im örtlichen Fanshop erst einmal mit Caps und T-Shirts der Georgia Bulldogs ein, bevor wir zum persönlichen Warmup in der Bar South um die Ecke landeten. Als wir dann irgendwann ein entsprechendes Maß an Bierseeligkeit erreicht hatten, machten wir uns auf den zwanzigminütigen Fußmarsch zum Stegeman Coliseum, der Spielstätte der Georgia Bulldogs. Die Atmosphäre war für die meisten von uns trotz nicht ganz gefüllter Ränge beeindruckend. Insbesondere die Marching-Band und ein bierbäuchiger Ultra-Fan (oberkörperfrei und bei Freiwürfen des Gegners mit erotischen Posen hinter dem Korb) trugen immer wieder zu unserer Erheiterung bei. Die Partie hingegen war leider sehr zerfahren. Viele Pfiffe, Wechsel und ein eher bescheidenes Spielniveau trübten ein wenig die Begeisterung. Die Bulldogs, die zumindest auf dem Papier über die entsprechende Klasse verfügten, passten sich wie auch die Unparteiischen dem Gegner aus South Carolina an. Dieser hatte verglichen mit deutschen Ligen vielleicht maximal Landesliga-Niveau. Erstaunlich war für uns die Tatsache, dass beide Mannschaften ihr Spiel fast komplett auf Athletik und individuelle Treffsicherheit aufbauten. Taktik hingegen spielte dabei eher eine untergeordnete Rolle, außer natürlich die Taktik des Coaches lautete Eins-gegen-Drei in die Zone zu ziehen und wilde Würfe zu nehmen, wovon wir jedoch nicht ausgingen. Einzig und allein Forward Nemanja Djurisic vermittelte den Eindruck einer gewissen spielerischen Reife. Vielleicht war unsere Sicht der Dinge auch einfach nur zu europäisch.

 

Nach einem weiteren Tag, den jeder gestalten durfte, wie er wollte (die meisten Teilnehmer besuchten das Dr. Martin Luther King Jr. Center), stand der letzte gemeinsame Tag in Atlanta auf unserem Programm. Den krönenden Abschluss unseres Trips bildete dabei die Begegnung der Atlanta Hawks gegen die San Antonio Spurs. Bevor wir zum Spiel gingen, entschieden ein weiterer Teilnehmer und ich uns noch, an einer Tour durch die CNN Studios teilzunehmen. Dort hatten wir das Glück, auf Charles Barkley zu treffen, der gerade für die Sendung „Barkley Unplugged“ ein Interview gab. Barkley war locker und entspannt drauf und ließ sich dazu hinreißen, uns kurz in der Werbepause zu grüßen. Zu meinem großen Leidwesen galt in den ganzen Studios ein Fotografierverbot, das selbst, als ich mich bei unserem Guide als Barkley-Fan outete, nicht verhandelbar war.

 

Dann ging es endlich ab in die Philips Arena, zugegeben ein wenig zu früh, wir wollten jedoch noch ein wenig dem Aufwärmtraining der Mannschaften zusehen. Leider waren Tim Duncan und Tony Parker bereits mit ihrem Warmup fertig, wie wir von einigen Spurs-Fans erfuhren, die ebenfalls am Kabinengang auf Bilder und Autogramme hofften. Besonders viel Zeit nahmen sich dabei Marco Belinelli und Danny Green, die jedem ein Autogramm gaben und sich sogar einzeln mit ihren Fans fotografieren ließen. Auch Coach-Legende Gregg Popovich ließ es sich nicht nehmen, einen kurzen Plausch mit den anwesenden Fans zu halten. Das Spiel selbst war, auch verletzungsbedingt, leider eine klare Angelegenheit zugunsten San Antonios. Nach einer weiteren Verletzung und dem Ausfall von Point Guard Jeff Teague kam dann auch endlich Dennis Schroeder zum Einsatz, dessen gelungene Aktionen wir lautstark von schräg hinter der Bank der Spurs aus bejubelten. Den letzten Abend unserer Reise ließen wir dann gediegen bei Burgern, Bier und natürlich Basketball in einer Sportsbar um die Ecke ausklingen.

 

Mein Fazit: Basis der Reise bildete eine bunt gemischte Reisegruppe unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichem Background (Spieler und Fans), die sehr gut miteinander harmoniert hat. Wir sahen zwei NBA-Spiele mit attraktiven Gegnern und ein College-Training, das für mich persönlich das Highlight der ganzen Reise war. Das Treffen mit Dennis fiel leider viel zu kurz aus, hier hätte ich mir wie auch die anderen Teilnehmer etwas mehr Zeit gewünscht. Sehr genossen habe ich neben dem offiziellen Programm auch die gemeinsame Abendgestaltung. Bei gutem Essen, kühlen Drinks und reichlich Basketball konnte man ständig mit anderen Basketballverrückten fachsimpeln.