· 

London - Stadt im ewigen Umbruch

Meine erste persönliche Begegnung mit London hatte ich kurz vor meinem Abitur. Die Exkursion des Englisch-Leistungskurses ging in die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs. Die Vorzeichen, dass sich hier eine echte Liebe zu der Stadt entwickeln würde, standen tendenziell eher schlecht. Der  Fokus der männlichen Teilnehmer lag weitestgehend eher auf der Fußball- und Pub-Kultur, welche die Stadt zu bieten hatte, die der weiblichen Mitreisenden (inklusive der Lehrerschaft) auf Kultur und Shopping. Meiner einer interessierte sich hingegen für Plattenläden und die Ecken Londons, in denen diverse Subkulturen beheimatet waren. Unglücklicherweise war der Besichtigungsplan der Lehrer zunächst einmal maßgeblich, von dem wir uns aber hartnäckig nach und nach distanzierten. Auf gute deutsch: wir haben uns wo es nur ging abgeseilt. So lernte ich nach und nach das London kennen, was ich bis heute liebe und schätze.

 

Leider hat der Kapitalismus in den letzten 20 Jahren eine Spur der Verwüstung durch London gezogen. Viele schöne Ecken, Läden und Restaurants sind im Laufe der letzten 20 Jahre dem Immobilienboom zum Opfer gefallen. Das berühmt berüchtigte, verruchte Soho, wo sich früher Bars, Stripclubs und Einzelhändler für Erotik-Accessoires- und Literatur aneinanderreihten, ist heute nur noch ein Schatten seiner selbst. Nur wenige der damaligen Läden haben sich noch gehalten. Am meisten vermisse ich wohl den Hinterhofbarbier meines Vertrauens, der nach vielen Jahren seine Miete in dieser mittlerweile exklusiven Lage einfach nicht mehr zahlen konnte.

 

Ein weiteres Opfer, dem ich heute noch regelmäßig eine Träne nachweine, ist das legendäre HK Diner, welches nach über 20 Jahren ebenfalls aufgeben musste, da es die Miete von über 300.000 Pfund nicht mehr erwirtschaften konnte.

 

Trotz dieser zum Teil negativen Entwicklungen, ist London nach wie vor eines meiner favorisierten Reiseziele in Europa. Stand Januar 2018, war ich, soweit ich es nachvollziehen konnte bereits 64 Mal in der Stadt an der Themse. Ein guter Grund um Euch mal meine persönlichen Lieblingsecken und Aktivitäten vorzustellen.

Über Geschmack lässt sich immer streiten, aber ich versuche hier einmal auf ein paar Ecken einzugehen, die allgemein sehenswert sind.

 

Meine persönliche, favorisierte Ecke  was die Unterkunft angeht ist Earls Court, bzw. South Kensington. Von dort aus hat man einen guten Zugang zur Stadt, aber auch in Richtung Flughafen Heathrow. Überhaupt bin ich der Meinung, man sollte bei seiner Unterkunftsauswahl immer auch den Anreise-/Abreiseflughafen mit berücksichtigen, insofern man die Möglichkeit hat zu wählen. Dies kann einem den Aufenthalt ggf. um einige wertvolle Stunden verlängern oder verkürzen.

 

Absolut genial finde ich in London, dass sehr viele Museen kostenlos sind, bzw. man sie über eine freiwillige Spende finanziert. Aus meiner Sicht lohnenswerte Museen sind: definitiv das British Museum, das Natural History Museum, Victoria & Albert Museum, Imperial War Museum und das London Museum.

Den Tower of London sollte man ebenfalls mal gesehen haben, wobei es sich definitiv empfiehlt sehr früh morgens schon dort zu sein, um sich die Menschenmassen zu ersparen. Besonders in den Sommermonaten kommen diese garantiert.

 

Was sich mit einem Besuch des Towers ganz gut verbinden lässt: ein Frühstück im Walkie Talkie. Dort im Sky Garden (Eintritt kostenlos) kann man lecker frühstücken und hat zudem noch eine sensationelle Aussicht über London (Vorreservierung ca. 3 Wochen). Direkt um die Ecke liegt Leadenhall Market, Harry Potter Fans besser bekannt als die Winkelgasse. Dort findet man auch den tropfenden Kessel, der sich für uns Muggel als Optiker tarnt.

 

Beim Tower um die Ecke liegen die St. Katharine Docks, wo ich das Dickens Inn für ein Essen oder ein Bier empfehlen kann.

 

Ein Muss ist für mich ein Besuch in Camden Town, auch wenn der ursprüngliche Flohmarkt ein wenig dem Kommerz und China-Nippes gewichen ist. Aber einmal durch die Stables laufen, sollte zu jedem London Besuch dazu gehören. Um dort hinzugelangen würde ich nicht die U-Bahn nutzen, sondern von Little Venice mit einem der restaurierten Kanalboote nach Camden fahren. Auch hier empfiehlt sich je nach Reisezeit eine Vorreservierung.

 

Eine meiner Lieblingsecken ist der Highgate Cemetery West + East. Neben dem öffentlich zugänglichen Teil (Grab von Karl Marx), gibt es noch den geschlossenen Teil, den man nur im Rahmen einer Führung besichtigen kann. Die Gruften waren Vorlage für die ein oder andere Dracula-Verfilmung.

Bei den Kirchen sollte man ganz klar Westminster Abbey (Königsgräber) und St. Pauls gesehen haben. Bei St. Pauls auf jeden Fall auch hoch in die Whispering Gallery gehen (man sollte schwindelfrei sein).

Persönlich hat mir auch eine Tour durch die Houses of Parliament sehr gefallen. Hier wurde Geschichte geschrieben. Da diese demnächst renoviert werden, sollte man die Chance nutzen, solange noch Führungen angeboten werden.

  

Bei den Schlössern ist aus historischer Sicht der Kensington Palace interessant, wobei man wenn man sich wirklich beeindrucken lassen will, einen Besuch in Windsor Castle auf seine To-Do-Liste nehmen sollte.