· 

Über Kanadas Westen nach Alaska (Teil 1)

 Chapter 1: British Columbia

  

Bei meiner Reise in den Westen Kanadas und entlang der Inside Passage durch den Pan Handle Alaskas, hatte ich diesmal Unterstützung von meiner Mutter und einer Ihrer Freundinnen.

 

Vancouver

 

Die Anreise erfolgte über Vancouver, übrigens eine meiner TOP 5 Destinations, selbst nach über 20 Jahren.

 

In Vancouver angekommen führte uns der erste Weg zu Alamo, wo wir unseren schicken und großzügig dimensionierten Jeep „Commander“ abholten, der uns in den kommenden drei Wochen quer durch den Westen Kanadas begleiten sollte.

 

Nachdem wir all unser Gepäck verladen hatten, was trotz des großen Autos eine Herausforderung war, ging es in Richtung Hotel, wo wir schnell eincheckten und uns dann auch schon auf die erste kleine Tour in Richtung Vancouver Downtown, bzw. zum Stanley Park machten, von wo aus wir den Sonnenuntergang genossen.

 

Der zweite Tag begann wie zu erwarten war dank der Zeitumstellung sehr früh.

 

Erstes Ziel unserer Stadtrundfahrt bildete Gastown, wo wir die Steam Clock und die Statue von Gassy Jack besichtigten. Nach einem kurzen Fußmarsch vorbei an zahllosen „gestrandeten“ Gestalten vor einer Mission in der Burrardstreet, gelangten wir zum Dr. Sun Yat Zen Classical Chinese Garden. Ob sich der Eintritt lohnt sei jedem selbst überlassen, aber der kostenlose, öffentliche Teil ist auch sehr schön.

 

Unser nächster Stopp lag im Norden Vancouvers: die Capilano Suspension Bridge. Nachdem wir den eher touristischen Teil (Totempfähle, Restaurant und Giftshop) hinter uns gelassen hatten und die Ostseite des Capilano Canyons erreicht hatten, machten wir einen Spaziergang auf dem Tree Top Path, welcher in jedem Fall ein faszinierendes Erlebnis war.

 

TIPP: eine kostenlose Alternative zur Capilano Suspension Bridge ist die Hängebrücke im Lynn Canyon, die sich ein paar Kilometer westlich ebenfalls in Nordvancouver befindet)

 

Nächstes Ziel des Tages war der Grouse Mountain. Mit der Seilbahn ging es auf den verschneiten Gipfel des Hausberges von Vancouver. Oben bot sich eine fantastische Aussicht auf die komplette Umgebung. Ebenfalls sehenswert sind die Grizzlies, die in einem Freigehege auf dem Gipfel des Berges gehalten werden.

 

Nach einem längeren Aufenthalt und einem kleinen Mittagessen auf dem Berg, ging es für uns mittags weiter zum Lynn Canyon. Dieser beherbergt ebenfalls eine Hängebrücke, die im Gegensatz zur Capilano Bridge kostenlos ist, aber meines Erachtens nach, wegen der schönen und weniger überlaufenen Umgebung, um einiges schöner ist.

 

Den Abend genossen wir bei einer leckeren Fischplatte im Restaurant „Bridges“ auf Granville Island (absolut empfehlenswert, trendy, lecker, faire Preise, tolles Flair)

 

Kamloops – Revelstoke – Lake Louise

 

Da auch an diesem Tag die Zeitumstellung noch nicht gemeistert werden konnte, ging es auch diesmal wieder sehr früh raus. Nach einem kanadischen Standardfrühstück (Pancakes, Bacon, Eggs, Toast und Hashbrowns) ging es über Sicamous entlang einiger wunderschöner Seen (Sushwap Seen) über Revelstoke und Golden nach Lake Louise.

 

Unsere Besichtigung der Takakkaw Falls im Yoho N.P. musste leider ausfallen, da die Straße zu den Wasserfällen in diesem Jahr erst Ende Juni geöffnet wird, da es laut Aussage eines Rangers im Winter durch Lawinen einige Schäden gegeben hatte. Die Falls selber sind absolut sehenswert (wir waren im Herbst davor schon einmal dort).

 

In Lake Louise bezogen wir Quartier in der Deer Lodge und gingen uns dann erstmal abkühlen, da wir sage und schreibe 32°C hatten. Ende Mai, eher eine Seltenheit, aber das kanadische Wetter is, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann, sehr eigen. Der Lake Louise selber war größtenteils noch mit Eis bedeckt, was jedoch in Kombination mit dem Glitzern der Sonne ein famoser Anblick war. Am hinteren Ende des Sees hatte sich eine große Eiswand gebildet. Zu dieser führte uns unser erster Spaziergang entlang des Sees. Dort angekommen machte ich mich auf den Weg nach oben, um die Bedingungen des Pfades zum Lake Agnes zu erkunden. Naja, wie man sich denken kann 32°C und die Stabilität einer Eiswand passen irgendwie nur bedingt zusammen. Als ich mich jedenfalls ca. 100 m unterhalb der Wand befand gab es ein lautes Krachen und Poltern und der obere Teil der Wand begann sich in seine Bestandteile aufzulösen. Gottseidank hatte ich mit so etwas instinktiv gerechnet (da kam der Trapper in meinem Innersten hervor) und mich nahe des sicheren Waldrandes bewegt. Ein kurzer Sprint und ich war in Sicherheit, was man von den Touristen am Rand des Sees nicht behaupten konnte. Aus meinem sicheren Versteck im Wald sah ich die tonnenschwere Eislawine an mir vorbeirauschen und hörte das Geschrei derer, die unten am See in der Auslaufzone der Lawine standen.

 

Nachdem alles vorbei war ging ich zurück, um zu sehen ob jemandem etwas passiert war. Zum Glück hatten sich die meisten in Sicherheit bringen können, bzw. wurden einige, wenn auch knapp, von den Eisbrocken verfehlt. Lediglich der Schock saß bei viel noch tief, jedoch gab es glücklicherweise keine Verletzten.

 

Ich machte mich weiter auf den Weg Richtung Lake Agnes, musste jedoch bald feststellen, dass die Wege zum See aufgrund der höheren Lage nur schwer passierbar waren.

 

Als auf der anderen Seite des Sees wieder ein großes Schneebrett donnernd in Richtung Tal fiel, entschied ich aus Sicherheitsgründen den Aufstieg abzurechen. (auch hier gilt: im September/Oktober ist der Weg lohnenswert)

 

Lake Louise – Banff

 

Nach einem leckern Frühstück bei Laggan’s Bakery in Lake Louise (TIPP), fuhren wir über den Bow Valley Parkway (morgens und bei Dämmerung viel Wildlife) zum Johnston Canyon. Hier machten wir eine Wanderung zu den Upper und Lower Falls, die zirka zwei Stunden in Anspruch nahm, sich aber aufgrund des schönen Weges entlang der Felsen wirklich lohnte.

 

Als wir den Canyon wieder verlassen hatten fuhren wir weiter in das bekannte Städtchen  Banff. Mit der Seilbahn ging es auf den Sulphur Mountain, von dem man eine faszinierende Sicht auf die Umgebung hat (je nach Wetter versteht sich). Nach einem kleinen Fotomarathon ging es wieder zurück nach Banff, zum berühmten Fairmont Banff Springs Hotel. Das Hotel gehört zu den führenden Hotels in Kanada und auch die Zimmer kosten entsprechend. Wer trotzdem mal reinschauen will, dem empfehle ich den Lunch oder den 5 o’clock tea. Beides ist zumindest halbwegs für den normalen Geldbeutel geeignet.

 

Zu echt einigermaßen günstigen Preisen kann man hier bei einer tollen Aussicht einen Hauch von Luxus genießen. Den Abend verbrachte ich wieder in Lake Louise, diesmal auf dem Dach der Deer Lodge wo ich mich erstmal genüsslich in den Whirlpool legte und ein lecker Bier kredenzte.

 

Icefield Parkway Teil 1

 

Aufgrund der örtlichen Bedingungen (Sperrungen und Lawinengefahr), mussten wir unser Programm etwas umstellen. So entschieden wir uns, da das Wetter mal wieder überragend war, bereits einen Teil des Icefield Parkways zu befahren. Vorbei an den eisbedeckten Seen, Bow und Peyto Lake, ging es zum Columbia Icefield. Mit den großen Schneemobilen ging es auf den Gletscher, wo wir dank der frühen Uhrzeit noch relativ alleine waren. Der Gletscher war seit meinem letzten Besuch doch um einiges geschrumpft. Nach einem frischen Schluck Gletscherwasser und einigen Fotos ging es auch schon wieder Richtung Tal. Leider ist die Aufenthaltsdauer auf ca. 20 Minuten begrenzt. Das ist bei der Menge der Besucher sicher verständlich, aber aus touristischer Sicht leider sehr schade.

 

Auf unserem Rückweg nach Lake Louise machten wir noch einen kurzen Abstecher in Richtung Nordegg zum Abrahams Lake. Auf der Rückfahrt vom selbigen sah ich links am Straßenrand auf einmal etwas braunes, pelziges, was zur Hälfte aus einem Busch heraus schaute. Sollte es denn wahr sein? Es war mein erster kanadischer Bär. Langsam bremste ich ab und wir hielten neben ihm am Straßenrand. Weit und breit kein Auto. Nur wir und der Bär. Aussehen und Größe deuteten daraufhin das es sich um einen Grizzly handelte. Der charakteristische „Buckel“ und die Farbe deuteten jedenfalls darauf hin. Weniger an uns, als an den Beeren am Straßenrand interessiert, posierte Meister Petz für uns völlig ungestört, bevor er sich dann wieder langsam in die Wälder zurückzog.

 

Den Abschluss des Tages bildete noch ein kurzer Fußmarsch in den Marble Canyon, der zwar ganz nett war, aber mit anderen Canyons wie z.B. dem Maligne Canyon nicht mithalten kann.

 

Absolut sehenswert, oft aber übersehen, sind auf dieser Strecke die Weeping Walls (weinenden Wände) welche sich kurz vor dem Columbia Icefield befinden. Diese Steinwand ist überzogen von zahlreichen kleinen Wasserfällen, die dort in die Tiefe stürzen. (TIPP)

 

Icefield Parkway Teil 2

 

Da wir am Vortag schon außerplanmäßig den ersten Teil des Icefield Parkway absolviert hatten, konnten wir am folgenden Tag zumindest bis zum Columbia Icefield durchfahren.

 

Unser erster Stopp an diesem Tag war an den Sunwapta Falls. Gefolgt von den schon spektakuläreren Athabasca Falls. Vorbei an Jasper fuhren wir anschließend zum Maligne Canyon. Direkt am oberen Eingang des Canyons hatten wir das Glück, dass sich eine Herde Big Horn Schafe dort niedergelassen hatte und wir einige tolle Aufnahmen machen konnten.

 

Der Abstieg in den Canyon gestaltete sich aufgrund des etwas schlüpfrigen Bodens (die Steine sind durch die Gischt bzw. auch im trockenen Zustand sehr rutschig, es empfiehlt sich daher gutes Schuhwerk mit guten Sohlen mitzunehmen), schwieriger als erwartet, zumindest für mich mit meinen Turnschuhen. Jedoch entschädigten die Einsamkeit und die tolle Kulisse für diese kleineren Probleme.

 

Nachdem wir bis zur 4ten Brücke hinabgestiegen waren, machten wir uns wieder auf den Rückweg. Oben angekommen hieß unser nächstes Ziel Maligne Lake. Vorbei am leeren Medicine Lake gelangten wir schließlich an einen der schönsten Seen Kanadas. Auch hier machten wir einen kurzen Ausflug am Ufer des Sees entlang bevor wir am Nordufer des Sees zu einer mehr oder weniger zünftigen Brotzeit einkehrten.

 

 

Auf der Rückfahrt nach Jasper sahen wir auf einer Lichtung dann unseren ersten Elk, mit ein paar Elkkühen. Diese waren leider im Gegensatz zu ihrem männlichen Pendant sehr schreckhaft, weshalb wir nur von dem Männchen tolle Bilder machen konnten.